Dargah Ajmer Sharif

Die Seele des Sufismus

Destination

March 1, 2016

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Indien fur sie

März 2016

Der Ajmer Sharif Dargah ist ein Schmuckstück der Stadt Ajmer. Eine kunterbunte Mischung an Religionen kommt hierher, um den Segen des Khwaja zu erhalten, denn es ist nicht nur für Muslime, sondern auch für Menschen anderen Glaubens ein heiliger Ort.

Der Ajmer Sharif Dargah ist ein Schmuckstück der Stadt Ajmer. Eine kunterbunte Mischung an Religionen kommt hierher, um den Segen des Khwaja zu erhalten, denn es ist nicht nur für Muslime, sondern auch für Menschen anderen Glaubens ein heiliger Ort.

Ajmer Sharif in Rajasthan, ist die wichtigste Pilgerstätte der Sufi in Indien. Mit einer Struktur aus wunderschönem Marmor, lebhafter Kultur, traditioneller Musik und Gebeten, schimmernden Lichtern und der eindrucksvollen Architektur der Moguln ist dieser Ort ein Genuss für die Seele.

Vor einem Jahr schnürte ich hier ein Band fest und wünschte mir dabei Etwas. Dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Das ist „ der Brauch. Wenn der Wunsch in Erfüllung gegangen ist, kommt man wieder hierher und dankt Allah”, meint Aabidah Fadel, während sie das Band aufschnürt, das sie bei ihrem letzten Besuch an den Schrein gebunden hatte. Laut dem Volksglauben in Indien und anderen Ländern gehen alle Wünsche, die am Ajmer Sharif geäußert werden, in Erfüllung. Tausende Anhänger aus aller Welt besichtigen den Schrein zur Huldigung – nicht nur, um ihre Wünsche gewährt zu bekommen, sondern auch, um ihre Seele zu reinigen.

Diejenigen, die für den Segen kommen, haben ein Gebet auf den Lippen und Hoffnung in den Augen, während diejenigen, deren Wünsche in Erfüllung gingen, kommen, um dem Allmächtigen für den erhaltenen Segen zu danken.

Die Geschichte von Ajmer Sharif, welches sich in den chaotischen und engen Straßen von Ajmer, Rajasthan, ungefähr 400 Kilometer südwestlich von Neu-Delhi, befindet, reicht fast 800 Jahre zurück und ist ein entscheidender Bestandteil des reichen islamischen Erbes Indiens. Der Schrein ist im Grunde genommen über dem Grab eines verehrten Sufi-Heiligen errichtet worden: Khwaja Syed Moinuddin Hasan Chishti. Er ist auch als Nawaz Sharif oder Gharib Nawaz bekannt und man hält ihn für den Beschützer der Armen. Der Schrein, der in einer von den schönen Bergen des Aravalligebirges umgebenen Stadt errichtet wurde, wird als großartiges Beispiel der frühen muslimischen Architektur wertgeschätzt.

Ein architektonisches Wunder

Außerhalb der Dargah, wie das Grab eines Heiligen in Indien genannt wird, führen enge und gefüllte Straßen zum Haupteingang und entlang der ausgedehnten Straßen gibt es zahlreiche Händler, die Blumen, bunte Kleider, traditionelle Süßigkeiten, Armreife und Bänder in strahlenden Farben, lebhafte Kleider der Rajasthani und Räucherstäbchen verkaufen. Die Ladenbesitzer konkurrieren mit den Betreibern der vielen kleinen Hotels um die Aufmerksamkeit der Pilger, während diese gleichzeitig noch von den Bettlern um Almosen gebeten werden. Um Kunden anzulocken, rufen zahlreiche Straßenverkäufer die Preise ihrer Bilder der Dargah in die Menge. Unter all dem Lärm kann man schwache, beruhigende Vorträge der Namaz (Gebete) aus dem Inneren des Schreins ausmachen. Nicht nur Muslime, sondern auch Hindus, Christen, Sikhs und Angehörige anderer Religionen, ebenso wie Ausländer, besichtigen den Schrein. Es fühlt sich so an, als sei das gesamte Universum in diese engen Straßen hineingequetscht worden.

Einige Anhänger sind in ihre Gebete vertieft, während sie sich durch die überfüllten Straßen zum Eingang begeben, um den Dargah-Komplex zu erreichen, der wundervoll dekoriert ist und mit schönen, farbenreichen Blumen und Lichtern erstrahlt. Aus weißem Marmor bestehend, handelt es sich bei dem Dargah um einen großen, weißen Komplex, der gänzlich nach Rosenblättern und Jasmin riecht, die von Pilgern den ganzen Tag über hinterlassen werden. Die Menschenmassen drängen sich am Eingang und stoßen dabei aneinander. Viele Gläubige sitzen in dem überfüllten Raum, während Andere versuchen, zum Gebet hineinzukommen.

Mit dem Schrein betritt man zugleich eine andere Welt. Der Haupteingang führt durch das Nizam-Tor, auf das ein anderes Tor, das Nakkarkhana, folgt. Dieses heißt so, weil darüber zwei große Nakkharas (Trommeln) angebracht sind. Das dritte Tor, Buland Darwaza, führt in den Innenhof des Dargah, in den die Leute barfuß und mit bedecktem Haupt eintreten. Das Ausziehen der Schuhe und Bedecken der Häupter mit einem Tuch bevor man einen spirituellen Ort betritt, sind schon lange für alle religiösen Orte in Indien festgeschrieben – nicht nur in der Sufi-Kultur. Entlang des Eingangs des Innenhofs gibt es große Eisenschüsseln, die Degs genannt werden und zum Kochen von himmlisch süßen Gerichten mit einem reichen Aroma verwendet werden. Nachdem es mit Reis, Öl, trockenen Früchten und Safran gekocht worden ist, wird es den Anhängern und den Armen als Tabarruk (Segnung) nach den Morgengebeten gegeben. Am dritten Tor gibt es einen exquisiten, mit glänzendem Wasser und Rosenblättern gefüllten Wasserbehälter, der das morgendliche Sonnenlicht reflektiert, und einen Springbrunnen, der es den Anhängern ermöglicht, sich die Füße zu waschen, bevor sie das Allerheiligste betreten. Daneben steht eine andere Schüssel, die kleiner ist als die Degs und in der Pilger aus aller Welt Geld, Gold, Essen, Klamotten und andere Geschenke als Dank für den erhaltenen Segen hinterlassen.

Der Dargah Khawaja Gharib Nawaz hat mehrere atemberaubend schöne Gräber, Gebäude und Innenhöfe, die alle im Architekturstil der Moguln erbaut worden sind. Das Grab des Heiligen mit einem eindrucksvollen und umwerfenden Marmordom liegt in der Mitte des zweiten Innenhofs, der von einer silbernen Plattform umrandet wird. Das Grab ist mit wertvollen Steinen ausgelegt und wird täglich mit Sandelholzpaste und Ittar (Parfum) überzogen. Es ist außerdem immer mit teuren Ghilaafs (Bezüge aus Samt und Seide) bedeckt, die mit Gold- und Silberfäden bestickt sind. In dem Innenhof befindet sich auch eine große Moschee, die vom Herrscher der Moguln Shah Jahan errichtet worden und das großartigste Gebilde im Dargah ist. Der gesamte Komplex ist auch mit kunstvollen kalligraphischen Beschriftungen in den Marmorwänden geschmückt.

Eine der Hauptattraktionen im Dargah ist das Qawwali-Programm. Qawwalis (andächtige Musik) werden in den Mehfil (Versammlungs-) Hallen gespielt, wo professionelle Sänger, Qawwals genannt, Lobeslieder auf den Heiligen singen. Die Qawwalis, die von diesen Künstlern gesungen werden, haben einen verzaubernden Effekt auf die Zuhörer, von denen viele anfangen, zu singen und zum Rhythmus der Musikinstrumente zu klatschen. Alle Sufi-Schreine in Indien und den benachbarten Ländern haben eine reiche Tradition von Musik und Qawwalis, was beim Entstehen des speziellen Charmes dieser Orte mitwirkt. Neben den Qawwalis werden täglich auch Massengebete für den ewigen Frieden und für das Wohlergehen der Leute gepredigt. Gegenüber der Mehfil-Halle gibt es eine kostenlose Küche, Langar Khana genannt, in der zweimal pro Tag Mahlzeiten zubereitet und den Armen ohne jegliche Ausnahme gereicht werden.

Überzeugungen und Traditionen

Im Mausoleum werden von Tausenden Anhängern reich bestickte und farbenfrohe Chadars (Heilige Stoffe) mit Silber- und Goldfäden zusammen mit Blumen angeboten und mit viel Ehre und Würde angenommen. Auch die Pilger bringen Blumen. „Wir bieten Rosen und Jasmin an und wünschen uns den Weltfrieden. Der Sinn davon ist es, dass seit 800 langen Jahren nicht nur Muslime, sondern auch Hindus, Christen, Sikhs und sogar Ausländer in der Suche nach dem Segen von Khwaja an diesen Ort kommen”, meint Sayyed Nazir Ali Shah Chishti, ein Nachfahre von Khwaja Moinuddin Chishti persönlich.

Das Umlegen von roten und gelben Bändern um die Hälse der Anhänger, das Knoten von Bändern am Schrein, während man einen Man- nat (Wunsch) äußert und das Beleuchten des gesamten Dargah mit schönen Kerzen und Lichtern am Abend zählen allesamt zu den Tra- ditionen dieses Ortes. Ungefähr 20 Minuten vor dem Abendgebet platzieren Arbeiter des Dargah als Teil der täglichen Routine Kerzen in Lampen und tragen dabei Verse vor. Nach dem Vortra- gen werden die erleuchteten Lampen in vier Ecken des Grabes gestellt. Dieses Ritual ist als Roshnee (Beleuchtungszeremonie) bekannt und macht die Atmosphäre friedlicher und ruhiger. Zwar sind hunderte Leute im Inneren, aber eine Harmonie von sanftem Geflüster und Gebeten umhüllt den Ort.

 

Im Uhrzeigersinn von oben links aus: Leute, die dankbar sind für ihren Segen und ihre Trauer vergessen; betende Kinder, die das heilige Sufi-Buch lesen; ein kürzlich vermähltes Paar besucht den Ort, um den Segen des Khwaja zu erhalten; Leute legen Geld, Gold, Essen und andere Annehmlichkeiten in einer Schale ab, um sich für den erhaltenen Segen zu bedanken; Wärter des Dargah in der Mehfil-Halle

Im Uhrzeigersinn von oben links aus: Leute, die dankbar sind für ihren Segen und ihre Trauer vergessen; betende Kinder, die das heilige Sufi-Buch lesen; ein kürzlich vermähltes Paar besucht den Ort, um den Segen des Khwaja zu erhalten; Leute legen Geld, Gold, Essen und andere Annehmlichkeiten in einer Schale ab, um sich für den erhaltenen Segen zu bedanken; Wärter des Dargah in der Mehfil-Halle

Auch wenn der Dargah jedes Jahr Millionen von Leuten anlockt, die den Segen des großen Heiligen suchen – wenn man ein anderes Gesicht dieser Stadt sehen möchte, so muss Hauptstadt man zur Zeit des jährlichen Urs (Festival) Städte kommen. Das sonst so ruhige Ajmer erblüht dann zu einem lebhaften Ort. Der Urs erinnert an den Todestag des Sufi-Heiligen Moinuddin Chishti. Es findet jedes Jahr 10 Tage lang statt, beginnend am 2. April. Nächtelanges Qawwali- Singen mit hunderttausenden Pilgern, die dem Heiligen huldigen, gehört auch dazu. Die Qawwalis werden nur mit Klatschen begleitet; Musik oder Instrumente sind nicht zu hören. Blumen und Blätter werden den ganzen Tag über angeboten, da diese Tage als ganz besonders und glückverheißend betrachtet werden. Fariyad (Gebete) werden den ganzen Tag lang vorgetragen und am Folgetag wird der gesamte Dargah mit Rosenwasser von den Anhängern gewaschen.

Der heilige Schrein, der von 5 Uhr morgens bis 9 Uhr abends im Winter und von 4 Uhr morgens bis 5 Uhr abends im Sommer geöffnet ist, war immer schon eine Quelle für Gemeinschaftsharmonie und nationaler Integrität im Land. Der Dargah wird von allen mit großer Demut und Unterwürfigkeit besucht, seien es Cricketspieler, Bollywood-Stars oder inländische und internationale Minister und berühmte Persönlichkeiten. Die Reichen und die Armen, die Millionäre und die Mittellosen, alle treten an das Tor der Dankbarkeit heran, damit ihre Wünsche und Sehnsüchte in Erfüllung gehen.

„Für Allah (Gott) sind alle gleich – ganz egal, welche Religion oder Staatsangehörigkeit man hat ruft Sayyed Nazir Ali Shah Chishti mit einem Lächeln.

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