Abenteuertourismus in Indien Mission für das aktive Wachstum

Dossier

October 30, 2015

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Indien fur sie

Marz-April 2015



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Mit Fokus auf den aktiven Urlauben, zeigt Indiens Abenteuertourismus ein beeindruckendes Wachstum. Doch um Herausforderungen wie die Anbindungen, Sicherheit und Kommunikation zu verbessern, müssen die Regierung und die Industrie eng zusammen arbeiten.

Im März letzten Jahres, hat die IT Spezialistin Sarita Singh, sich als Teil der International Antarctica Treaty Expedition 2014, geführt von Polarforscher und Umweltschützer Robert Swan, hinaus aus dem Komfort ihrer Wohnung in Neu Delhi und hinein in die klirrende Kälte des Südpols begeben. Zwei Wochen lang war sie Teil dieser Expedition mit Temperaturen, die weit unter dem Gefrierpunkt lagen. Rohan Krishnamurthi, ein Bildjournalist aus Coimbatore, hat kürzlich seinen Skiurlaub in den Tiefen der nordischen Wildnis verbracht, um dort die Polarlichter zu sehen.

Für ein Land, dass sich dank seiner reichen Vergangenheit und der Geografie, mit einer Handvoll Pauschalreisen einen Namen gemacht hat, wird die Möglichkeit etwas neues auszuprobieren mit offenen Armen aufgenommen. Nicht jeder geht so weit wie Sarita oder Rohan; manche fangen mit kleinen Schritten an, wie zum Beispiel 3-4 Tage Auszeit von Delhi in Rishikesh, um dort Abenteuersportarten wie Bungeejumping und Wildwasser-Rafting zu erleben.

Für die Reiseveranstalter der Abenteuererlebnisse, ging das Wachstum nur schleppend voran, da erst einmal die Aufmerksamkeit auf den potenziellen Abenteuertourismus in Indien gelenkt werden musste. Indien, ein Land mit mehr als 65 Prozent des Himalayas innerhalb seiner Landesgrenzen; außerdem musste auch die Einstellung der Menschen hinsichtlich der Sorge um die Sicherheit verändert werden. Die Industrie hat keine Mühen gescheut, von den Gesprächen mit der Regierung über die Sicherheitsrichtlinien bis hin zur Einführung von „aktiven Reisen“ für Anfängerabenteurer, um so für den Abenteuertourismus in Indien zu werben.

Gut gemacht

Nun scheint die Begeisterung zurückgekehrt zu sein. Mit einem höheren verfügbaren Einkommen und dem Drang nach ungewöhnlichen Erfahrungen, beschäftigen sich die Touristen vermehrt mit Aktivitäten wie Wildwasser-Rafting, Trekking und Bergsteigen. In der Tat haben in den letzten paar Jahren, Reisende aus ganz Indien und von außerhalb begonnen, die extremen Abenteuersportarten auszutesten, wie Skydiving, Bungeejumping und Tiefseetauchen, um so ihre Adrenalinschübe zu bekommen. Indien ist auch Zeuge des Aufkommens von Abenteuerparks geworden, in denen Reisende Abenteuersport gemischt mit einer Portion Luxus erleben können. Bei einer solchen Vielfalt an Angeboten in diesem Segment wollen nicht nur junge Reisende, sondern auch Reisende mittleren Alters ihre Portion Abenteuer abbekommen. Das Segment hat auch die Aufmerksamkeit des gemeinsamen Segments geweckt, welches bei den auswärtigen Programmen den Fokus auf Abenteueraktivitäten legt.

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Trotz des Wachstums der Industrie, bleibt der Abenteuertourismus ein relativ kleiner Markt im Vergleich zum Westen. Laut einer Studie der George Washington Universität und der Adventure Travel Trade Association, wird der globale Marktwert auf 89 Mrd. US$ (80 Mrd. Euro) geschätzt. Für den indischen Markt, für den es keine offiziellen Berichte gibt, schätzt die Industrie den Wert auf ca. 350 Mio. Euro, inländische und auswärtige Touristen zusammengezählt. Mit fast 15 Prozent jährlich bewegt sich das Geschäft strategisch in Richtung der Anfängerabenteuerreisen.

Sich ändernde Trends

In den letzten fünf oder sechs Jahren, hat sich die Industrie dank der unermüdlichen Initiativen und Promotionen des Abenteuertourismus‘, in ihrer Größe verdoppelt. Laut Tejbir Singh Anand, Geschäftsführer von Holiday Moods Adventures, ist die größte Veränderung, die Bereitwilligkeit der Inder nach neuen Arten des Urlaubs zu schauen und sich darauf einzulassen. Dies wiederum wurde von der Aufwertung der touristischen Infrastruktur in beliebten Orten, wie Rishikesh, Ladakh und Uttarakhand unterstützt. „Da die Menschen sich immer mehr mit dem Gedanken der Abenteuerreisen anfreunden, haben sich neue Möglichkeiten eröffnet“, fügt er hinzu.

Akshay Kumar, Präsident der Adventure Tour Operators Association of India (ATOAI) und CEO von Mercury Himalayan Explorations, glaubt, dass die Leute Anfängeraktivreisen in Kombination mit kulturellen Erfahrungen vorziehen. „Die Denkweise der Menschen hat sich geändert. Sie ziehen es vor, in Kontakt mit den Einheimischen zu kommen oder zu versuchen indirekt die einheimischen Gemeinden zu unterstützen.“ Ajeet Bajaj, Gründer von Snow Leopard Adventures sagt: „Der Haupttrend, der sich abgezeichnet hat und sich auch im nächsten Jahr fortsetzen wird, ist der, das Abenteuersuchende nicht länger mit einer fünfminütigen Jet- Skitour oder Bananenbootfahrt zufrieden sein werden. Sie wollen ihre Zeit damit verbringen, einen Sport zu erlernen und zu genießen. In Maharashtra ist Paragliding eine sehr beliebte Abenteueraktivität geworden, wobei sich Kamshet nahe Lonavla mit einer Vielzahl an Paragliding Schulen als Drehkreuz auftut.“Rajesh Ojha, Direktor der Banjara Camps & Retreats meint: „Die Leute sind gelangweilt davon, in die Hügel und Berge zu fahren und in Hotels in Shimla zu bleiben und die Gewaltigkeit des Himalayas nur aus der Ferne zu betrachten. Der Fokus liegt verstärkt auf empirischem Abenteuertourismus, selbst wenn es ein lockerer zwei- bis dreitägiger Urlaub ist. Überraschenderweise sind es die Familien, die die Entdeckung der Abenteuertouren und -aktivitäten vorantreiben, indem sie höhere Ansprüche an ihre Reisen stellen.“ Auf dem inländischen Markt steigt die Nachfrage an Trans-Himalaya Jeep Safaris, Motorradtouren, kurze und gut organisierte Wanderungen und Wildwasser-Rafting Trips oder Familienreisen, die allen Ansprüchen genüge werden.

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In einem Whirlpool gefangen

Obwohl Indien großes Potential an Abenteuertourismus hat, wird es von einer Vielzahl an Rückschlägen gebremst. Reiseveranstalter bemängeln, dass nur wenige Sicherheitsstandards gesetzt sind. Als Resultat hat die Industrielobby ATOAI Richtlinien verfasst und drängt die einzelnen Staaten dazu, diese verbindlich einzuführen. Solange dies nicht der Fall ist, blüht das Geschäft der skrupellosen Veranstalter. In Rishikesh beispielsweise hat der Mangel an Sicherheitsstandards es dubiosen Rafting- Veranstaltern ermöglicht, Erfolg zu haben. Diese Veranstalter stellen eine Bedrohung für die organisierten Segmente dar, indem sie günstigere Preise anbieten, z.B.: 150 Rupien anstelle von 650 Rupien, die die authentischen Veranstalter verlangen. Korrupte Veranstalter tendieren dazu, Ausrüstungen zu verwenden, die nicht den Standards entsprechen und oftmals verfügen sie unter anderem nicht über Reserve-Flöße und missachten damit die Regeln.

Zusätzlich beeinflusst Indiens Widerstreben, Satellitentelefone zu erlauben, den Tourismus, obwohl dies eine Standardsicherheitsanforderung in den Provinzen ist. Dann gibt es noch viele unerforschte Berggipfel im Himalaya, für deren Besteigung es einer Genehmigung bedarf, die viele Touristen dazu bewegt, auf benachbarte Länder, wie Nepal und Pakistan, auszuweichen, in denen solch eine Genehmigung nicht erforderlich ist. Auch Indiens fragwürdige Vorfälle bezüglich des Umweltschutzes und der Sicherheit der Frauen verhindern das Wachstum des Marktes.

Aus diesem Grund bemüht sich die Industrie verstärkt um die Unterstützung der Regierung. Nachdem Indiens Regierung das Potenzial des Abenteuertourismus‘ erkannte, wurden Initiativen ergriffen, um den Markt zu fördern. Im letzten Jahr hat die Regierung die Kampagne „777 Tage des indischen Himalayas“ ins Leben gerufen. Aufgrund der ungelösten Probleme, wie das der Sicherheit, war die Kampagne jedoch nicht erfolgreich.

Mandeep Singh Soin, Gründer und Geschäftsführer von Ibex Expeditions sagt: „Die Sicherheit wird von den Versicherungen der auswärtigen Reisenden abgedeckt und beinhaltet Zusätze, wie die Rettung per Helikopter, was der Regierung sehr gelegen kommt. Für indische Kunden müssen wir Versicherungen finden, die sich auf den indischen Raum ausbreiten.“ Den Unterschied zum Westen hinzufügend sagt er: „Der Westen ist dank seiner ausgeprägten Infrastruktur, wie beispielsweise kleine Flugplätze, gute Straßen und qualifizierte Fremdenführer, großflächig abgedeckt.“

Da die abenteuerlustigen Reisenden bereits für ihre nächsten Eskapaden Schlange stehen, müssen diese Probleme schnell und effizient behoben werden. Gute Tourismusanbindungen, Infrastruktur und das Kommunikationssystem sind die wichtigsten Faktoren, um den Abenteuertourismus voranzubringen. Nur dann kann Indien Erfolgsgeschichten, wie die Erfahrung Saritas am Südpol oder das Skierlebnis Rohans, für Bergexpeditionen im Himalaya oder das Wandern in den Nagaland Tälern schreiben.

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