Pench Nationalpark

Sei eins mit dem Tiger

Dossier

March 1, 2016

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Pench Nationalpark

Das Tigerreservat an der Grenze zwischen Madhya Pradesh und Maharashtra bietet ein Wildniserlebnis, an das man sich ein Leben lang erinnert. Zwischen der vielfältigen Flora und Fauna werden Naturliebhaber jeden Moment ihrer abenteuerlichen Reise lieben.

Wenn man auf das Wetter draußen achtet, welches sich im Seoni Distrikt von Madhya Pradesh vom frühen Morgen zum Nachmittag drastisch ändert, wird man durch alle Kleidungsstücke im Gepäck durchwechseln müssen, um die Wildnis- Safari im Pench Nationalpark genießen zu können. Während man in den frühen Morgenstunden auch in einer warmen Kapuzenjacke noch friert, sobald es 11 Uhr vormittags ist, möchte man am liebsten alles abstreifen und gleich in den Pool springen. Mit all diesen Schwierigkeiten kämpfend waren wir dann endlich bereit, die Wildnis dieses Nationalparks, der dafür berühmt ist, darin Tiger entdecken zu können, zu erkunden.

„Tiger zu entdecken macht 99% dieses Parks aus,“ behauptete der Manager des Resorts, in dem wir für die nächsten zwei Tage unterkommen wuerden. Diese Worte waren genug, um unseren brennenden Enthusiasmus zu entfachen und unsere Fantasie für das bevorstehende Abenteuer anzufeuern. Mit so vielen bereits gehörten Geschichten über Wildnis-Safaris, ist man dazu gezwungen, seine eigene Geschichte mit eigener Kreativität zu schreiben. Verbunden mit den Gedanken über all die Kreaturen in der freien Wildbahn, die wir entdecken könnten, war es aber immer noch nicht schwer, die Aufmerksamkeit umzulenken auf das fabelhafte Frühstück im Resort, das mehr ein Brunch war und genügend Auswahl anbot, um bis zum Abend zu vorzuhalten. Nachdem sich alle an dem gesunden Frühstück sattgegessen hatten, waren wir alle bereit, um auf unseren Geländewagen, ein Maruti Gypsy, zu hüpfen und die abenteuerliche Fahrt zu beginnen.

Lasst das Abenteuer beginnen

Sonnenbrillen. Wasserflaschen. Kameras. Ferngläser. Kopftücher. Dies sind einige der notwendigen Dinge, die man mitnehmen sollte, wenn man nach den Kreaturen des Dschungels sucht. Wenn man jedoch schlechte Augen hat, ist die Brille wichtiger als die Sonnenbrille – immerhin will man sich ja nicht den bunten Schnabel eines wilden Vogels oder einen Schakal entgehen lassen, der gerade seine Beute verspeist.

Man kann das Pench Tigerreservat, das eine Fläche von knapp 1.200 Quadratkilometern überspannt, über eines der beiden Haupttore betreten – Turia oder Silari. Interessanterweise liegt Pench auf der südlichen Grenze von Madhya Pradesh, nahe Maharashtra. Deshalb fällt das Silari Tor, das ungefähr 35 Kilometer von dem Turia Tor entfernt ist, in die Zuständigkeit der Regierung von Maharashtra. Da Turia aber von den Touristen bevorzugt wird, weil es hier eine große Biodiversität und häufige Tigersichtungen gibt, betraten wir den Park durch das Turia Tor und hofften, den König des Dschungels und viele andere Arten entdecken zu können. Wie unser Naturführer der ersten Safari, Sakharam Dhurve, erklärte: „Pench ist die Heimat vieler Arten von Wildtieren – es gibt ungefähr 70.000 Hirsche, 45 Tiger, 325 Vogelarten, Schakale, Wildschweine und vieles mehr.“

Die Worte von Dhurve waren nicht nur so daher gesagt, denn der erste Axishirsch begrüßte uns nur wenige Minuten nach Betreten des Tores. Sie waren über den gesamten Park in Gruppen verteilt und blickten uns an. „Ihr findet Hirsche immer in Gruppen, auch während der Nacht. Einige schlafen, andere bleiben wach und halten nach Tigern und anderen Tieren Ausschau, die gefährlich werden könnten.“, ergänzt Dhurve, als er von der Not der Hirsche redet, die trotz ihrer Freiheit außerhalb von Käfigen immer in großer Furcht leben müssen. Er erwähnt auch, dass indische Languren und Hirsche oft gemeinsam angetroffen werden – die Languren können die Hirsche von ihren Bäumen aus bei nahender Gefahr warnen und ihnen damit genügend Zeit zur Flucht verschaffen.

Tiger im Urlaub

Während wir weiterfuhren, hielt unser Jeep regelmäßig an, damit wir nach Warnrufen der Tiere und Vögel, mit denen für gewöhnlich vor einem Tiger gewarnt wird, lauschen konnten. Aber vielleicht hatten an dem Tag alle Tiger Urlaub – so schien es jedenfalls, denn abgesehen von ein paar Anzeichen kam kein Tiger in unsere Sichtweite. „Wir haben viele Vögel, Antilopen und Affen gesehen, aber bis jetzt noch keine der Großkatzen,“ meinte Lawrence Hirst, ein australischer Tourist, der den ganzen Weg nach Indien gekommen ist, um hier die Tiger zu entdecken – Indien hat schließlich die größte Population an Tigern. Trotzdem beschwerte er sich nicht über die fehlenden Tiger, denn er war glücklich inmitten einer facettenreichen Tierwelt zu sein, wie sie nur selten anderswo in der Welt anzutreffen ist. Hirst hatte vor, noch andere Nationalparks im ganzen Land zu besuchen, aber in Pench wollte er anfangen. „Ich las ein australisches Reisetagebuch über den Pench Nationalpark, dadurch wurde meine Faszination entfacht. Wir buchten einen Flug und kamen dann hierher,“ sagte der eifrige Reisende.

Begegnung mit der Tierwelt

Nachdem wir unsere kurze Unterhaltung mit Hirst während eines der Stopps, die wir im jeweils eigenen Jeep verbrachten, beendet hatten, war es wieder Zeit, den Weg vor uns nach Tieren abzusuchen. Wir waren nahe an einem Wasserloch, als jemand etwas von Hirschen und Pfauen rief, die in eine Richtung rannten. Zunächst beachteten wir das nicht weiter, aber innerhalb weniger Sekunden nahm die Zahl an rennenden Hirschen stark zu. Der Fahrer stoppte sofort und wir alle standen auf, um weit in der Ferne das Tier zu entdecken, das die Hirsche dazu brachte, um ihr Leben zu rennen. Zu unserer großen Freude konnten wir endlich zwei Wildhunde entdecken, die in der offenen Landschaft zum Wasserloch gingen, um ihren Durst zu stillen – vielleicht war ihnen nicht danach, die Hirsche oder Pfauen zu jagen. Dhurve meinte, dass diese Fleischfresser keine Gefahr darstellen, wenn sie satt sind. Als Mensch, der in einem unabhängigen Land geboren wurde, fand ich es etwas niederschlagend, all die Pflanzenfresser zu sehen, wie sie auf einer Suche nach einem sicheren Platz im Wald hin und her huschten. Dann erinnerte ich mich aber an das Naturgesetz, von dem wir vor mehr als zehn Jahren im Unterricht gehört hatten, und wie wichtig es für eine richtig funktionierende Umwelt ist. Das reichte, um mich wieder zu beruhigen und es hielt mich vertieft in die verschiedensten Vogelarten wie den Drongo, Smaragdspint, Specht und Tigervogel, neben den vielen anderen Arten. Die bunten Schnäbel dieser Vögel konnten wir besser durch unsere Ferngläser erkennen – mit bloßem Auge war das schwieriger.

 

Im Uhrzeigersinn von links: Touristen bahnen sich auf einer Safari ihren Weg durch den Park; ein Specht tut, was er am Besten kann; ein Baumhopf

Im Uhrzeigersinn von links: Touristen bahnen sich auf einer Safari ihren Weg durch den Park; ein Specht tut, was er am Besten kann; ein Baumhopf

Auf unserem Weg, gesäumt von indischen Lorbeersträuchern (Terminalia Elliptica) mitten im Grün, konnten wir auch eine große Anzahl an Antilopen ausmachen – darunter auch Sambars, Nilgauantilopen und natürlich Axishirsche. Diese waren immer in unserem Blickfeld. Es war fesselnd, Männer bei der Arbeit im Wald zu sehen, die dort jeden Tag leben müssen, um die Tiere vor möglichen Gefahren durch die Menschen zu schützen. Ja, es ist wirklich eine Ironie, dass die Tiere, die eher für die Menschen gefährlich sein sollten, wegen des illegalen Eingriffs von Menschen in ihr Reservat, in Gefahr schweben. „So, wie Menschen vor diesen wilden Tieren Angst haben, haben diese wilden Tiere und auch Tiger mindestens genau so viel, wenn nicht sogar mehr Angst vor Menschen, das könnt ihr mir glauben,“ behauptete Motiram Hinge, der erfahrenste und am besten informierte Naturforscher im nahen Seoni Distrikt. Er ergänzt noch, dass Tiger die Jeeps ignorieren – sie bemerken gar nicht, dass Menschen darin sind, aufgrund der Camouflage, die durch die grüne Farbe der Jeeps entsteht. „Wenn die Waldführer aber spazieren gingen, würde das gänzlich die Art ändern, wie Tiger sie sehen,“ vermittelt uns Hinge. Sirprasad Deshmukh, ein Waldführer, der seit 1988 den Wald durchkämmt, stimmte dem zu. „Wir machen zu unserer Sicherheit zwar das Licht an, die Tiger gehen aber zur Seite, wenn sie uns sehen – solange man nicht laut ist oder etwas wildes tut,“ meinte Deshmukh, während er auch einem Baumstamm sitzt.

Während wir uns dem Ende unserer ersten Safari näherten und sehr darüber enttäuscht waren, keine Großkatzen gesehen zu haben, gingen die Behauptungen des Managers des Resorts bezüglich der Tigersichtungen durch unsere Köpfe. Wir wollten ihm diese schon vorwerfen, stattdessen heiterten wir uns aber für den nächsten Trip am nächsten Tag auf. Mit großen Hoffnungen fielen wir nach einem langen und anstrengenden Tag in unsere Betten. Am nächsten Morgen ging es erst einmal in ein nahegelegenes Dorf, um uns über das Leben der Ansässigen zu erkunden (siehe Box), denn die Safari war für den Nachmittag geplant.

Wieder und wieder versuchen

Das leckere Frühstück im Restaurant des Resorts stillte wieder unseren Hunger und es war an der Zeit, in die Jeeps zu hüpfen und loszufahren. Als wir entlang der Pfade des Pench Nationalparks fuhren, entdeckten wir die Geisterbäume, ein beliebter Name für die Stinkbäume (Sterculia urens) wegen ihrer Farben – sie ändern ihre Farbe alle vier Monate von Pink zu Grün zu Weiß, abhängig von der Saison. „Sie brauchen wenig Wasser und können dadurch in einem steinigen Gebiet florieren“, erklärte uns der 25 Jahre alte Sabeer Dhalavi, unser Touristenführer für die Expedition am zweiten Tag. Während wir an all den Tieren, die wir gestern entdeckt hatten, vorbeifuhren, suchten wir nur noch nach einem Tiger oder Leoparden. Da die Jeeps vor 6 Uhr abends das Ausgangstor erreichen sollen, musste Satish Yadav eine Notfallroute nehmen, weil wir weit hinter dem Zeitplan waren. Als wir endlich am Ausgangstor ankamen, brach die Hölle los. Alle Jeeps hatten auf der Route, die wir hätten nehmen sollen, einen Tiger entdecken können. „Wir hörten den Warnruf eines Pfaus – nicht nur einmal, sondern zweimal – dann drehten wir uns um und da war er – der majestätische Tiger. Er überquerte die Straße und ging in die Büsche, wir folgten ihm und haben ihn gut zehn Minuten lang beobachtet – es war wirklich ein wunderschönes Männchen,“ meinte ein begeisterter Reisender aus England, der sein Erlebnis mit uns teilte.

Nichts konnte mein Team und mich in diesem Moment mehr im Zaum halten. Ironischerweise hatten wir, als wir uns dem Ausgang näherten, aus Neugierde Yadav gefragt: „Was, wenn wir einen Tiger um kurz vor 6 Uhr abends entdecken – müssen wir gehen oder können wir bleiben?“ Ohne zu wissen, dass andere Leute anderswo gerade das erlebten, was wir mit dem Fahrer und dem Touristenführer besprachen. Zu unserer großen Bestürzung teilten Peter und seine Freunde uns mit, dass sie auch am vorigen Tag schon einen Tiger entdeckt hatten, während der gleichen Safari, auf der auch wir uns befunden hatten.

Wieder kamen uns die Worte des Managers des Resorts in den Sinn und dieses Mal hätten wir nicht mehr dem zustimmen können, was er über die zu 99% sicheren Tigersichtungen in diesem Reservat gesagt hatte, und schütteltem unsere Köpfe in leiser, trauriger Zustimmung.


 

Pench Nationalpark

Pench Nationalpark

Anreise
 
Der nächste internationale Flughafen, von dem aus man den Pench Nationalpark erreichen kann, ist der Dr. Babasaheb Ambedkar International Airport nahe der Stadt Nagpur. Von dort aus kann man ein Taxi rufen und die 112 Kilometer zu dem Seoni Distrikt von Madhya Pradesh zurücklegen. Wenn man mit dem Zug fahren möchte, muss man damit erst einmal nach Nagpur und kann dann ein Taxi nach Seoni nehmen. Von einer Stadt nahe dem Seoni Distrikt aus, kann man auch mit dem Bus fahren.
 
Übernachtungsmöglichkeiten
 
Beim Pench Nationalpark bleibt man vorzugsweise nahe dem Turia Tor. Hier findet man eine Handvoll privater Resorts oder man kann sich auch für das Madhya Pradesh Tourism’s Kipling Resort entschei- den – diese liegen alle wenige Kilometer vom Turia Tor entfernt.

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