Chhattisgarh

Ein natürliches Paradies

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March 1, 2016

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Indien fur sie

März 2016

Chhattisgarh

Chhattisgarh, Ein natürliches Paradies

Im zentralen Indien ist der Staat Chhattisgarh ein Rückzugsort für Liebhaber üppiger Dschungel, wilder Tiere, atemberaubender Tempel und Stammeskulturen. Im wachsenden Druck der Moderne, zeigt sich hier das stille und doch hinreißende Gesicht eines natürlichen Paradieses.

Gott! Gott! “Bhagwan! Bhagwan!” Die alte Frau heißt Sie mit einem schelmischen Blick willkommen, nimmt Sie an die Hand und lächelt. Sie gehört einem der Dutzenden von Stämmen an, die offiziell etwa ein Drittel der Bevölkerung von Chhattisgarh ausmachen. Sie lebt mit ihrer Familie in einem abgelegenen Dorf in der Bastar Region, im südlichen Teil dieses zentralen Staats in Indien. Die Gegend hier ist noch grün und wild.

Sie achtet aufmerksam aus der Ferne, ohne eine Spur von Neugier oder Erstaunen, auf die Fremden. Sie kennt hauptsächlich ihr Dorf und die Gewohnheiten ihres Stammes und sie folgt friedlich dem Rythmus der Natur, umgeben vom Reisfeldern und Wald.

Das Treffen ist simpel und klar. Wir tauschen unter dem gelassenen Blick ihres alten Ehemannes, einem Farmer, ein paar Worte über ihre Familie aus. Ihre Tochter und Enkelkinder stehen hinter ihr und einige Schafe, eine Kuh und ein paar Hunde laufen friedlich vor ihrer Lehm- und Steinhütte und in ihrem Hinterhof herum. Man erhält den Eindruck, den der französische Philosoph Rousseau bereits eingehend analysiert hat. Dieses kleine Stammesdorf ist ein verlorenes Paradies, in dem die Menschen noch immer im Einklang mit der Natur leben.

Die Magie und Einfachheit von Chhattisgarh erwecken einen mächtigen Eindruck, sobald man in Raipur ankommt, der Hauptstadt des Staates. Sie besteht aus einem neuen Teil, der noch im Bau ist, direkt neben der Altstadt. Ein Betonzeugnis der wirtschaftlichen Bemühungen Chhattigsgarhs, welches ein zweistelliges jährliches Wachstum verzeichnet – die Stadt hat einen ordentlichen Stadtplan, schicke Hotels entstehen und besondere Wirtschaftszonen zeigen ihre modernen Fabriken und Serviceunternehmen unter der kontinuierlichen Entwicklung der Infrastruktur.

Es ist nachvollziehbar, dass Chhattisgarh, der zehntgrößte indische Staat, einen wirtschaftlichen Durchstarter hinlegen will, um seinen mehr als 25 Millionen Einwohnern sämtliche Vorzüge einer modernen Gesellschaft bieten zu können. Der Staat ist reich an natürlichen Ressourcen wie Kohle, Mineralien und Metalle. Es wird viel Strom produziert und fast 15 Prozent des indischen Stahls werden in Chhattisgarh hergestellt. Außerdem ist der Staat stark von fortgeschrittenen Industrien, wie der Informationstechnologie abhängig. Dieser junge Staat wurde im Jahr 2000 nach der Trennung von seinem Nachbarstaat im Nordwesten, Madhya Pradesh, geboren. Raipur wurde zur Hauptstadt des neuen Staates auserwählt.

Trotz allem ist der Staat weitestgehend ländlich geblieben und drei Viertel der Einwohner leben außerhalb der großen Städte. Die Landschaft und die Wälder sind noch immer Orte, an denen man den Herzschlag der Natur spüren kann. Hier kann ganz offensichtlich die Nähe der Einwoher und der unzähligen Stämme zur Natur erleben. Stammesspiritualität und ein rauer und poetischer Pantheismus verbreiten ihren einzigartigen Charme.

 

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Im Uhrzeigersinn, von links nach rechts: der Surang Tila Tempel in Sirpur (Raipur); ein Stammesbewohner trägt Waren; ein Vishnu Tempel in Sirpur, Erinnerungssteine in Gedenken der Toten; Stammesmädchen auf dem Weg zur Schule, Stammesmalereien auf einem Erinnerungsstein, ein wilder Wald und ein See bei Sonnenuntergang im Gebiet Sirpurs

Die Stämme von Chhattisgarh (siehe Box) sind die Wächter der Traditionen, die sie durch hinreißende Hundertjahrfeiern aufrechterhalten, wie die Dussehra in Bastar im südlichen Teil des Staates. Das Ganze findet unter der Schutzherrschaft des Königs statt, der von den Stammesbewohnern noch immer als Gott verehrt wird (siehe Box). Der Reisende, der sich nach Reinheit sehnt, wird sein Glück auf dieser Reise finden, in harmonischer Kombination mit den Urwäldern, rauschenden Flüssen und Wasserfällen, wilden Tieren, Tempeln verschiedener Spiritualitäten und traditioneller Handwerkskunst.

Die dichten Wälder von Chhattisgarh, die fast 40 Prozent der Fläche bedecken, sind für ihre wertvollen Holzarten bekannt, wie das Teakholz, welches in alle Teile der Welt exportiert wird. Nichts von den Bäumen wird verschwendet, von den Früchten bis zu den Blättern, die dafür genutzt werden, um Getränke herzustellen. Sobald sie fermentiert sind, verwandeln sie sich in einen starken Alkohol, wie zum Beispiel der Schnaps, der aus dem Salfi Baum hergestellt wird, einer Unterart der Palme.

Die indischen Niagarafälle

Der Wald ist eine Quelle des Lebens, in der die Stämme alle Lebewesen respektieren, sogar die Spinnen, die unheimliche und riesige Netze spinnen. Während eines Besuchs zweier Frauen, einer Italienerin und einer Niederländerin, hinterließen diese Netze einen starken Eindruck bei ihnen. Trotzdessen schwärmten sie von der wilden Seite des Staates und der friedvollen Gastfreundschaft seiner Einwohner, weit entfernt von den erdrückenden Menschenmengen Rajasthans. Bei Tagesanbruch kann man wunderschöne Fotos schießen, während man dabei von dem Gesang der exotischen Vögel begleitet wird.

Chhattisgarh ist außerdem reich an wilden Strömen und Flüssen, doch am beeindruckensten sind die Wasserfälle, wie die in Chitrakote im Westen von Jagdalpur im Bastar Bezirk. Ein pensionierter indischer Soldat, der einen Großteil Indiens bereiste, kam, um die Wasserfälle zu bewundern. Er setzte sich in ein hölzernes Kanu, dass mit viel Geschick von den einheimischen Fischerleuten gesteuert wurde, um so nah wie möglich an die gefährlichen Wasserfälle heranzukommen.

Es sind die “Niagarafälle Indiens”, doch hier trifft man sie nicht als laute Touristenattraktion an. Familien baden friedlich in der Nähe eines Kiesstrandes und bewundern die Wasserfälle aus sicherer Ferne. Es ist der perfekte Ort für Meditation, umgeben von Natur. Kaum gestört vom Treiben einer Öko-Lodge aus Zelten und Bungalows, die unauffällig die Gegend überblickt. Man bekommt das Gefühl, eine noch unerforschte Gegend entdeckt zu haben, noch bevor sie von größeren Touristenzahlen verändert wurde.

In Chhattisgarh gibt es eine handvoll natürlicher Parks, von Norden nach Süden, die die Gelegenheit bieten, dem Pfad der Wildkatzen und der berühmten Bisons zu folgen. Besonders der Park der Indravati im Bijapur Bezirk, wird in ganz Indien für seine Tiger gelobt.

Spirituelle Vielfalt

Der Staat ist auch berühmt für seine atemberaubenden Tempel, die als Zeuge einer reichen Geschichte dienen, in der verschiedene Dynastien ihre Spuren hinterlassen haben, von den Sarabhpurias bis zu den Kalachuris und wo der Hinduismus sich mit dem Buddhismus vermischte. Die Schönheit dieser reichen Spiritualität liegt in ihrer Vielfalt und manchmal auch in ihrem Sinn für Synkretismus.

Aus diesem Grund ist es schwierig, die historischen Stätten nicht zu bewundern, selbst in einer kleinen Region wie Sirpur mit prächtigen und mächtigen Statuen im Tempel von Buddha Vihara und den steilen Stufen in der Nähe, die nach einem Erdbeben zusammengebrochen sind und einst in ein weiteres Nirvana an Statuen führten. Die abgerundeten ockerfarbenen Fassaden des benachbarten Tempels von Lakshmana, sind mit intrikaten Skulpturen verziert.

Die Region strahlt Spiritualität aus und feiert hauptsächlich die Erinnerung an Götter und Ahnen. Manche Stämme huldigen ihre Toten mit “Gedenksteinen”, auf die sie mit Farbe die heldenhaften Taten der Toten schreiben, die dadurch oft zu großen Jägern oder Kriegern gemacht werden. Diese Steine häufen sich entlang der Straße, ihre Farben bereits verblasst.

Man kann ein Erinnerungsstück in Form der Handwerkskunst der Stämme mit nach Hause nehmen. Ein solches Souvenir könnte zum Beispiel aus Kosa Seide bestehen, die in der Region hergestellt wird, oder ein kleiner metallener tapferer Krieger, eine Dhokra Skulptur, die nach dem Wachsausschmelzverfahren hergestellt werden, bei dem heißes Metall gegossen wird. Es können aber auch Bögen der Stämme oder Musikinstrumente aus Bambus sein. Diese Gegenstände sind da, um die Kunst und den Lebensstil der Stämme am Leben zu erhalten, ein uralter Schatz, den es gilt zu beschützen.


Chhattisgarh

Chhattisgarh

Anreise
 
Tägliche Flüge von Delhi gehen nach Raipur, der Haupt- stadt Chhattisgarhs, welche auch mit Mumbai, Bangalore, Kolkatta und Amritsar verbunden ist. Von Raipur aus kann man einen Bus oder ein Taxi nehmen, um die inneren Teile des Staates zu besuchen.
 
Unterkunft
 
Raipur bietet eine große Auswahl an Hotels an, unter Anderem die neuen hochmodernen Hotels, wie das Hyatt. In den Naturparks, wie Indravati oder Kanger Ghate, kann man in den Waldlodges übernachten. An anderen Orten gibt es Öko-Lodges wie den Dandami Luxury Resort in der Nähe der Chitrakote Wasserfälle (Süden). Oder der Sua Lake View Tourist Resort um Balod Bezirk.

Die Stämme, lebendes Kulturerbe des Staates

Die Stämme machen offiziell bis zu einem Drittel der Bevölkerung Chhattisgarhs aus, etwa acht Millionen Menschen. Doch auch viele andere Einwohner des Staates haben entfernte Familienverbindungen zu ihnen. Sie sind die ersten Menschen, die in dieser Region bereits seit tausenden von Jahren leben, lange bevor die Rajputs (ein patrilinealer Klan des indischen Subkontinents) eintrafen und vor der britischen Kolonisierung. Diese Stämme sind noch immer im ganzen Staat verteilt, insbesondere in den Waldgegenden im Norden und im Süden, vorallendingen in der Bastar Region. Ein paar wenige Stämme leben dauerhaft in den Wäldern, sie ziehen es vor in den ländlichen oder weniger städtischen Gegenden zu wohnen.

Unter den Dutzenden von Stämmen, sind die Größten die Gond, Halbi, Halba, Bujia, Kamar und Oraon. Jeder Stamm hat seine eigenen Bräuche, doch ursprünglich teilten sie alle den gleichen simplen Lebensstil, der sich um den Wald drehte, der außerdem Schutz bot und eine Quelle für den Lebensunterhalt und eine schützende Kraft war, die als Heimat der Geister diente.

Viel Wissen über diese Stämme haben wir dem Vater der indischen Anthropologie zu verdanken, Sarat Chandra Roy (1871- 1942), der die Stämme detailliert erforscht hat. Seine Arbeiten werden noch immer von heutigen Studenten als wissenschaftliche Referenzen genutzt. Eine dieser Studentinnen ist Nandini Sundar, die im Jahr 2007 eine anthropologische, historische Studie Bastars veröffentlichte.

Manche Stämme haben eine sehr offene Gesellschaft geformt, in der junge Paare zusammenleben können, nachdem die Frau ihren Partner offiziell vor dem Stamm annimmt. In diesem Fall wird ein Kind, dass aus dieser Beziehung entsteht, nicht als Schande betrachtet. Stattdessen kümmert sich die gesamte Gemeinschaft um das Kind.

Diese traditionellen Lebensstile stehen unter dem Druck des modernen Lebens. Manche Stämme, die um ihren ursprünglichen Lebensraum gebracht wurde, leiden an den Niederträchtigkeiten des modernen Lebens: Alkoholismus, Anpassung und Orientierungslosigkeit. Manche Minderheiten greifen auch zu Gewalttätigkeiten über, so wie die Naxalites, eine maoistische Bewegung, die in vielen Staaten Indiens vorzufinden ist, auch in Chhattisgarh, insbesondere in den Stammesregionen.

Trotz allem lebt die Stammeskultur weiter. Beim durchqueren eines kleinen Dorfes kann man oftmals das Geräusch von Trommeln hören, begleitet von farbenfrohen Tänzen, wie dem Panthi, Pandwani, Rawat Nacha und Chaitra. Ein ganzer Abend voller Tänze in traditioneller Aufmachung, in denen Frauen oft die Führung übernehmen und symbolisch über die männlichen Tänzer herrschen. Diese Frauenherrschaft wurde von manchen Stämmen übernommen.

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