Der Chandrashila Pfad

Einen Moment festhalten

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March 1, 2016

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Indien fur sie

März 2016



INDIEN FüR SIE

Unser erster Stopp in Deorital auf 2438m Höhe

Nur erfahrene Indien-Reisende können von den berauschenden Erfahrungen, die der Himalaya bereit hält, wissen. Abenteuersuchende können hier auf Pfaden wandern, Klettern und Bergsteigen. Einer dieser Pfade führt zum Chandrashila Gipfel auf 4.000 Höhenmetern in der Tungnath Region in Uttarakhand.

A uf einer Höhe von 4.000 Metern, umgeben von den schneebedeckten Gipfeln des Himalayas, wie Chaukhamba und Nanda Devi, ist die Luft ganz frisch und kalt. Ein typischer Steintempel ruht auf der Spitze des Berges, es ist der Chandrashila Gipfel in der Tungnath Region in Uttarakhand. Ein paar der Trekker rufen ihre Namen hinab ins Tal, manche japsen nach Luft, als sie sich auf den Stufen des Tempels oder auf den Felsen ausruhen. Andere beschäftigten sich damit, Fotos zu machen, während wieder Andere sich hinsetzten, um den Moment zu verinnerlichen. Zwei Tage zuvor, als wir die Wanderung antraten, wussten wir noch wenig über unser Ziel und was uns auf unserer Reise dorthin erwarten würde oder wer unsere Mitreisenden waren. Anscheinend waren Winterwanderung unser gemeinsames Interesse.

Auf dem Weg durch die Bergdörfer, von denen manche verlassen wurden, um den harten Wintern in diesen Höhen zu entfliehen und manch andere bewohnt sind von freundlichen, bescheidenen Leuten, die keinerlei Bedenken zeigen und uns in ihre Häuser einladen, hat diese Reise eine Vielzahl von Erfahrung zusammengetragen. Zwischen den eiskalten und schlaflosen Nächten in den Zelten und den begrenzt verfügbaren Dingen, die in unserem Alltag selbstverständlich sind, wanderten wir zwischen wunderschönem Rhodedendron und Eichenwäldern entlang. Dies sowie die Aussicht, der Gedanke daran, in noch größerer Höhe durch den Schnee zu wandern und die Aufregung unser Ziel bald zu erreichen, waren unsere Beweggründe, die uns vorantrieben. Es war zwar nicht der Mount Everest, doch wir kamen auf dem Weg zum Gipfel fast auf die Hälfte der Höhe!

 

Die Aussicht auf die schneebedeckten Berge von dem Gipfel des Chandrashila

Die Aussicht auf die schneebedeckten Berge von dem Gipfel des Chandrashila

Aufwärmen für die Reise

Als wir auf 1350 Höhenmetern in der warmen Öko-Lodge in Kund erwachten, den Mandakini Fluss überblickend, ein Nebenfluss des Alaknanda Flusses, war uns bewusst, dass dies wohl die letzte so komfortable Nacht war, bis wir zwei Tage später wieder an diesen Ort zurückkehren würden, nachdem wir den Gipfel erreicht hatten. Eine 7-stündige Autofahrt von einer der religiösen Hauptstädte Indiens entfernt, liegt Haridwar in Kund. Es ist umrandet von wunderschönen Aussichten auf die höhergelegenen Berggipfel des Himalayas, so wie der Kedar Gipfel, der den Hintergrund für die hinduistischen Pilgerreise nach Kedarnath bildet.

Während der Guide uns mit den Gegebenheiten des Pfades vertraut machte, standen alle 13 von uns bereits mit unseren Rucksäcken, gepackt mit nur dem nötigsten für zwei Tage, bereit. Der Pfad, der ideal für Anfänger ist, hat eine leichte bis moderate Steigung. Der Winter und der Schnee steigerten die Aufregung, die jedoch nicht lange anhielt, nachdem wir anfingen die Stufen hinaufzusteigen, die den ersten Teil der Wanderung ausmachten. Unsere Beine und Lungen sehnten sich nach den sanfteren Teilen des Weges.

Während wir an den Dörfern vorbeiliefen und auf die regelmässigen Begrüßungen mit “Namaste!” antworteten, machten wir ein paar interessante Begegnungen. Zum Beispiel trafen wir Kusumlata, einen Lehrer in einer Grundschule der Regierung in dem Dorf Ukhimath an einem sonnigen Sonntagmorgen, wo er auf Kinder wartete, die mit ihren Eltern vorbeikamen, um gegen Polio geimpft zu werden. Die Schule für Kinder zwischen 6 und 10 Jahren hat 29 Schüler und drei Lehrer. Ugendar Singh, 25 Jahre alt, der auszog, um in der benachbarten Stadt Dehradun zu arbeiten, genießt einen längeren Urlaub mit seiner Familie. In der Hütte, die außerdem über eine Küche verfügt, wohnen fast 15 Familienmitglieder, die daran gewöhnt sind, Gäste zu haben und uns zum Tee einladen.

Die Abwesenheit von Schnee, der normalerweise auf dieser Höhe liegen sollte, lässt viele der Trekker ungeduldig werden. Auch die Dorfbewohner sind über den sich verspätenden Schneefall enttäuscht. Also setzen wir unsere Reise fort und als sich die Stufen in schöne Pfade verwandeln, die von grünen Wiesen und kühlen Wäldern gesäumt sind, geben uns seltene schneebedeckte Stellen neue Hoffnung. Auf einem dieser Pfade fällt mir auf, dass ich allein bin und dass keiner meiner Mitreisenden in Sicht ist. Mit nur begrenztem Empfang, keiner Karte und nicht mal der Telefonnummer des Guides, bin ich etwas beunruhigt. Ich laufe weiter in der Hoffnung, die Anderen bald wiederzusehen und nach einer gefühlten Ewigkeit, kann ich erleichtert aufatmen, als ich die bekannten Stimmen und Gelächter höre.

Der Wald, der aus Rhododendron Bäumen besteht, und die schmalen Pfade öffnen sich zu einem riesigen Feld, das teilweise mit kahlen Bäumen bewachsen ist, am Ufer des Deorital Sees. Während wir das Erreichen uns Ziels nach einem fast 6-stündigen Fußmarsch feiern, fällt uns auf, dass unsere Zelte für die Nacht bereits aufgebaut sind..

Gastfreundschaft im Nirgendwo

In einer Stadt wie ein Gast behandelt zu werden ist anders, als die gleiche Behandlung in der Abgeschiedenheit. Wenn man in einer solchen mit drei qualitativ hochwertigen Zelten aufgewerteten Gegend, mit Tee und Nudeln auf 2438 Höhenmetern willkommen geheißen wird, dann ist das nichts geringeres als purer Luxus. Wir bedanken uns bei unserem Guide und anderen Ausbildern und sie informierten uns über den Ort.

Der See, der zum Teil von Schnee umgeben ist, hat auch eine historische Wichtigkeit. Die Hindu-Legende “Mahabharata” besagt, dass als die Pandavas (fünf Brüder der königlichen Familie der Hastinapur) für 13 Jahre ins Exil gingen und sich vor ihren Cousins, den Kauravas, die um den Thron kämpften, versteckten, sich hier an diesem See zur Rast aufhielten. Als ihre Mutter Kunti Durst bekam, starb ein Sohn nach dem Anderen bei dem Versuch Wasser aus dem See zu schöpfen, weil sie die Fragen des Gottes Yaksh Devta, der den See beherrschte, nicht beantworten konnten. Erst als der älteste Sohn Yudhisthir alle Fragen richtig beantwortete, wurden seine Brüder wieder lebendig. Aus diesem Grund wird es als heilige Tat angesehen, eine Runde um den See zu laufen.

Während man dem nachkommt, ist es interessant, die Lichtspiele auf dem Wasser zu beobachten. Man kann auch die Spiegelung des Chaukhamba Gipfels auf der Wasseroberfläche sehen. Den restlichen Tag verbringen wir damit, die Aussicht zu genießen und den unvergesslichen Sonnenuntergang von einem Aussichtsturm zu beobachten. Der Moment wird untermalt vom Gezwitscher der Vögel, die in ihre Nester in den Bäumen am See zurückkehren.

Als das Tageslicht schwindet, wird der Himmel von Millionen von Sternen erleuchtet; ein Anblick, in dessen Genuss die Bewohner Delhis wegen der verschmutzten Luft niemals kommen. Kurz darauf haben unsere Guides ein Lagerfeuer errichtet und verwöhnen uns erneut mit heißer Suppe. Das ist der Ausgangspunkt für viele lange Gespräche und Scherze.

Bereit für den nächsten Tag

Als wir am nächsten Morgen erwachen und aus unseren Zelten krabbeln, beschweren sich die meisten Wanderer, dass sie wegen der Kälte nicht haben schlafen können, mit der Ausnahme von einem, der die ganze Nacht durchgeschnarcht hat! “Meine Füße sind überhaupt nicht warm geworden,” war die häufigste Aussage. Hinzu kamen die gruseligen Geräusche der wilden Tiere in dem an unser Zeltlager angrenzenden Wald. Die Ausbilder, die bereits seit 4 Uhr morgens wach sind, um den langen Tag, der vor uns liegt, vorzubereiten, vergrößern die Angst, indem sie behaupten, dass die Wälder voll mit Füchsen seien.

Berge zeigen einem nicht nur die Schönheit der Landschaft und der Natur, sie offenbaren auch mysteriöse unfd faszinierende Geschichten. Während uns der Abstieg in Richtung unseres Zieles und die Wintersonne aufwärmen, halten wir an einem Tempel. Der 56-jährige Priester, Mohan Bhatt, der sich um den Tempel kümmert, hat vorher 20 Jahre lang in der indischen Armee gedient, bevor er in den Ruhestand ging, um in seine Heimat in den Bergen zurückzukehren. “Es hat mich gerufen,” sagt er. Seine drei Kinder sind verheiratet und leben verteilt in verschiedenen Gegenden des Landes. Also richtete er sich sein Zuhause in dem Dorf Sari auf 1900 Höhenmeter, gemeinsam mit seiner Frau ein, die den Besuchern und Betenden großzügig Tee anbietet.

Beim Aufstieg häufen sich die schneebedeckten Stellen und werden immer größer. Während die Temperaturen weiter fallen, sehen wir weitere Dörfer, die über den Winter verlassen wurden. Wir sind auf dem Weg nach Chopta auf 2800 Höhenmetern. Auf dem Weg dorthin kamen wir durch Dugalbitta (2550 m), wo man nötige Ausrüstung wie Winterstiefel ausleihen kann. Wir erreichen unser Lager und genießen die offene Wiese, den Schnee und sammeln Zweige und Äste für ein Lagerfeuer. Die 2-stündige Wanderung war zum Glück nicht so anstrengend und wir beginnen unsere Umgebung zu erkunden.

Wir kommen an vielen verlassenen Steinhäusern vorbei. Sie sind nicht abgeschlossen und die Haushaltsutensilien warten aufgereiht auf die Rückkehr der Bewohner im Frühling. Wir nähern uns durch das Dorf dem schneebedeckten Berg, um für den Sonnenuntergang auf den Gipfel zu klettern. Der Schnee, der hier fast 20 cm tieft ist, reicht aus, um damit zu spielen. Auf dem Gipfel angekommen, verändert sich nicht nur die Farbe des Himmels, sondern auch die der Berge in verschiedenen Orange- und Pinkschattierungen. Die Aussicht war atemraubend und hielt uns für lange Zeit in ihrem Bann.

 

Das Leben im Dorf Sari auf 1900m Höhe

Das Leben im Dorf Sari auf 1900m Höhe

Als wir zum Abendessen wieder hinunterkommen, wartet bereits das Lagerfeuer und die Suppe. Die Guides informieren uns über den nächsten Tag und geben uns Anweisungen für das Wandern im Tiefschnee. Da wir bereits um 4 Uhr aufstehen müssen, ziehen wir uns zögerlich vom warmen Lagerfeuer in unsere Zelte zurück. Um kalte Füße oder andere kalte Körperteile zu vermeiden, gibt uns der Guide einen “Wormie”, eine etwa faustgroße Tasche, gefüllt mit kieselartigem Material – auch für die Guides etwas Neues. Sie halten zwar die Füße warm, dafür brachten uns andere kalte Körperstellen um den Schlaf. Die Außentemperatur lag in der Nacht bei -12 Grad.

Gipfel, Ahoi!

Als wir uns in der Dunkelheit des nächsten Tages auf den Weg machen, halten wir uns an zwei Anweisungen – hartes Eis vermeiden und hintereinander auf dem engen Pfad gehen. Auf dem festgetretenen Pfad wandern wir langsam weiter während der Tag anbricht und uns erneut einen unbeschreiblichen Ausblick beschert. Die schneebedeckten Berge ärgern uns nicht mehr, während wir weiter durch den Schnee stapfen. Ab und zu wirft jemand einen Schneeball oder rutscht aus, was unsere Reise unterhaltsamer macht. Der Pfad wird immer steiler und abgesehen von verlassenen Häusern gibt es keine Spuren von Menschen. Manchmal sehen wir Himalaya-Vögel, wie den Rotschwanzmonal und Greifvögel. Der Guide zeigt uns auch die Fußabdrücke der Himalaya-Füchse.

Auf dem einen Kilometer langen Pfad, kommen wir am Tungnath Tempel (3680 m) vorbei, dem höchstgelegenen Schrein Lord Shrivas. Der Steintempel ist leer, genauso wie die ihn umgebenden Läden. Ein paar Artikel liegen auf dem Boden verteilt. Wir verschnaufen kurz und bewundern den Tempel, während manche zum Beten hineingehen.

Von hier an wird der Pfad steiler und manche von uns haben Schwierigkeiten beim Atmen. Die zwei Guides verteilen sich so, dass sie nur eine Armeslänge entfernt sind, sollte jemand Hilfe benötigen. Die Leichtfüßigkeit, die sie an den Tag legen, ist beeindruckend. Als wir rutschend und stolpernd den Gipfel erreichen, setzen wir uns erst einmal zwei Minuten lang hin. Was ist der Sinn darin, einen Gipfel zu erklimmen? Solche Fragen kann man sich stellen, wie es einer der Mitreisenden vor Antritt der Tour getan hat. Die Antwort darauf wird man niemals kennen, wenn man nicht selbst einen Gipfel bestiegen hat.


 

Über GIO Adventures

GIO Adventures, gegründet im Jahr 1999 mit Hauptsitz in Dehradun, ist ein Outdoor Abenteuerunternehmen, mit dem Ziel, Destinationen, die oftmals auf normalen Landkarten nicht zu finden sind, für Besucher zugänglich zu machen. Mit mehr als 15 Jahren Erfahrung hat das Unternehmen über 2000 geführte Touren durch den Himalaya entwickelt, dazu gehört auch der Chandrashila Pfad. Ein Team von mehr als 100 Leuten, die hauptsächlich aus verschiedenen Gegenden des Himalayas stammen, ist das Team vom Nehru Institute of Mountaineering (NIM) qualifiziert und auch in Erster Hilfe ausgebildet. Aufgrund von Gesetzen, wie dem ‘Hinterlasse keine Spuren’ und den Reisen in kleinen Gruppen, unterstützt das Unternehmen umweltfreundlichen Tourismus in den Bergen. Weitere Infos und Angebote finden Sie unter http://gio.in/

 

Der Chandrashila Pfad, Einen Moment festhalten

Der Chandrashila Pfad, Einen Moment festhalten

Anreise
 
Regelmäßige Busse und Züge verbinden Neu Delhi mit dem fast 210 km entfernten Haridwar. Die Abenteuerunternehmen kümmern sich von da an um die Anreise von Haridwar nach Kund, etwa 6-7 Stunden Fahrzeit. Unabhängige Reisende können Taxen buchen oder die lokalen Busse nutzen, die an bestimmte Zeitpläne gebunden sind.
 
Unterkunft
 
Die Himalayan Eco Lodges, den Mandakini Fluss überblickend, sind eine gute Option mit gutem Service und einem tollen Ausblick. Der Aufenthalt ist in die Wanderung mit inkludiert, wenn diese über einen Reiseveranstalter gebucht wird.

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