Jaldapara Nationalpark, Westbengalen

Auge in Auge mit einem Rhinozeros

Dossier

March 1, 2016

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Jaldapara Nationalpark, Westbengalen

Jaldapara Nationalpark, Westbengalen

An den Ausläufern des östlichen Himalayas, in der Region Dooars, liegt eines der reichsten Reservate an Flora und Fauna des Landes. Mit vielen Wildreservaten bietet es Besuchern die Qual der Wahl. Jaldapara ist eines der Besten.

E s war bereits früher Nachmittag als unser Auto die Grenze zu Indien aus Bhutan kommend bei Phuentsholing überfuhr. Strahlen einer milden, spätwinterlichen Sonne schienen auf das silberne Wasser des erstaunlich weiten Torsa Flusses, der von Bhutan aus in den Brahmaputra fließt, nachdem er sich knapp 200 km lang durch Dooars gewunden hat.

Kurz danach endeten die zahlreichen Serpentinen, die uns seit Thimphu, der bhutanischen Hauptstadt, begleitet hatten,. Die Landschaft wandelte sich rasch, mit weitläufigen und dichten Wäldern anstelle der Berge und Hügel, die wir seit dem Morgen gewöhnt waren. Auch die Vegetation hat sich stark verändert, mit großen Teakbäumen, sommergrünen und subtropischen Wäldern, die die alpine Vegetation des Himalayas nach und nach ersetzen.

Als wir Richtung Hasimara fuhren, die größte indische Stadt an der Straße von Phuentsholing, waren wir überrascht von den zahlreichen und doch ähnlichen, kleinen Teegärten, die überall aufzutauchen schienen und so einen sehr speziellen und auch romantischen Anschein zur Landschaft hinzufügten, die überwiegend dicht bewaldet ist und deren dichte Baumkronen fast alle Sonnenstrahlen abschirmten, obwohl es noch zwei Stunden bis zum Sonnenuntergang war.

 

(v.l.) Ein Nashorn im Jaldapara Nationalpark; Elefanten-Safari

(v.l.) Ein Nashorn im Jaldapara Nationalpark; Elefanten-Safari

Obwohl Indien viele Regionen besitzt, die reich an Wildtieren sind, haben nur wenige eine so dichte Population wie die Dooars’ Heimat von ungefähr einem halben Dutzend Wildtierreservaten und Nationalparks, die besonders beliebt sind, um das einhörnige indische Rhinozeros, Elefanten, Tiger, Leoparden, Panther und kleinere Raubtiere sowie Rehe, Affen und kleinere Primaten zu beobachten.

Von Hasimara fuhren wir weiter Richtung Süden zu den Jaldapara Wäldern, nachdem wir den Torsa noch einmal gekreuzt hatten. Die Strahlen der untergehenden Sonne schienen nun kaum noch durch die Baumkronen und die Dunkelheit setzten schnell ein. Glücklicherweise war die Hollong Tourist Lodge weniger als 18 km von Hasimara entfernt und wir kamen gerade dort an, als die Vögel zurück zu ihren Nestern flogen und die Sonne vollständig unterging.

Die Hollong Tourist Lodge ist ein idyllisches kleines Resort, geleitet vom westbengalischen Tourismusentwicklungsunternehmen und ist mit Sicherheit einer der besten Plätze für Besucher des Nationalparks, da es inmitten der Wälder gelegen ist und die Gäste Rehe, Pferdehirsche, Bisons und andere Wildtiere aus ihren Zimmern heraus beobachten können.

Der Countdown läuft

Bis wir auf unseren Zimmern angekommen waren, war das Gelände stockdunkel, trotz der alten Lichter der Touristenlodge, die nur wenig gegen die intensive Dunkelheit der Nacht, wie sie in den dichten Wäldern Indiens üblich ist, ausrichten können. Kein einziger Lichtstrahl scheint die Wälder durchdringen zu können. Die Touristenlodge wird so zu einer spärlich beleuchteten Insel, die von einem schwarzen Ozean umgeben wird. Als wir Richtung Speisesaal zu unserem Abendessen gingen, konnten wir die Schreie von Schakalen, Hyänen und Rehen hören, die den Wald bevölkern.

Nach einem schnellen, aber leckeren Abendessen mit einer Vielzahl von vegetarischen und nichtvegetarischen Mahlzeiten gingen wir zurück zu unseren Zimmern, bereit ins Bett zu fallen, nach einem so langen Tag, der im kühlen Klima Thimphus begann und hier in den Ebenen Jaldaparas endete, wo die Stille der Hügel von einem lauten Dschungel ersetzt wurde.

Während die Geräusche unseren Schlaf nicht beeinflussten, tat es aber die Aufregung. Wir wussten, dass wir früh aufstehen und um sechs Uhr fertig sein mussten, um pünktlich für die erste Safari aufbrechen zu können und der Gedanke an die einhörnigen asiatischen Rhinozerosse hielt uns wach und ließ uns den exakten Moment der ersten Begegnung vorstellen, die auf dieser Safari quasi garantiert ist.

Die Begegnung

Obwohl wir um sechs Uhr morgens los mussten, waren alle schon viel früher wach, gegen 04:30 Uhr. Glücklicherweise war das Personal der Touristenlodge gut ausgebildet und konnte so den Ansprüchen der Frühaufsteher gerecht werden und Tee reichen. Als das Morgengrauen anbrach und die Dunkelheit schnell zu verschwinden began, bereiteten wir den dachlosen Jeep vor und machten uns auf in Richtung des Nationalparks.

Kaum hatten wir das Gelände der Lodge verlassen, stießen wir auf die ersten Wildtiere. Eine Herde wilder Elefanten war am Grasen, direkt neben der unbefestigten Straße, die in den Wald führt, mit dutzenden von Sikahirschen, die ihnen Gesellschaft leisteten. Die Bäume schienen von Vögeln aller Variationen bevölkert zu sein, deren Singtöne mit den Schreien der Affengruppen vermischt wurden.

Innerhalb weniger Minuten waren wir mitten im Nirgendwo, mit weiten Grasflächen, umgeben von Bäumen, die alle paar Kilometer auftauchten. Die Sonne war mittlerweile aufgegangen und der ganze Wald war hell erleuchtet. Als wir weiterfuhren, bat unser Tourguide plötzlich den Fahrer anzuhalten, legte seinen Finger auf die Lippen und bat uns ruhig zu sein. Dann zeigte er mit seinem Finger auf einen Baum zu unserer Rechten. Niedergelassen auf einem Zweig lag ein junger Leopard, der uns mit seinen gelben Augen anstarrte, beinahe emotionslos uns demonstrierend, dass er immun gegen Menschengruppen ist, die ihn bei seiner morgentlichen Träumerei stören. Er tat uns den Gefallen und posierte für unsere Bilder, während sämtliche Kameras unseres Jeeps permanent am Klicken waren.

Kaum hatten wir uns von dem Leoparden verabschiedet, kam der Jeep wieder zu einem plötzlichen Halt. Dieses Mal musste der Tourguide niemanden auf etwas hinweisen. Direkt vor dem Jeep auf der linken Seite im sumpfigen Grasland saßen drei Rhinozerosse – eine Mutter und ihre beiden Babys, wie wir vermuteten – waren am Grasen. Auf einmal hörte die Mutter auf zu grasen und starrte in unsere Richtung. Der Tourguide bat uns ruhig zu sein, da Rhinozerosse ein exzellentes Hör- und Geruchsvermögen haben, jedoch keine guten Augen besitzen. Dennoch, wenn die Mutter unsere Anwesenheit gerochen hätte, könnte sie unseren Besuch als Bedrohung aufnehmen und hätte nicht gezögert, unseren Jeep anzugreifen.

 

Teegärten in Westbengalen

Teegärten in Westbengalen

Aber die Natur war auf unserer Seite. Der Wind war still und nach einiger Zeit, nachdem wir sicher waren, dass keine Gefahr bestand, begann das Muttertier wieder zu grasen. Wir standen dort für eine lange Zeit und nahmen Bilder aus allen möglichen Winkeln für die Nachwelt auf.

Letztendlich entfernten sich die Rhinozerosse wieder in Richtung Wald und gingen weiter. Nach knapp einer Stunde weiteren Beobachtens von Wildtieren, von denen allerdings keine so spannend wie die Rhinozerosse waren, fuhren wir in Richtung Lodge zurück, hungrig auf unser Frühstück. Während der herzhaften Mahlzeit, teilten wir unsere Erlebnisse und die Aufregung des Morgens. Wir alle versprachen uns und den anderen, dass wir nach Jaldapara zurückkehren würden. Wie viele das Versprechen wirklich gehalten haben, ist schwierig zu sagen.


 

INDIEN FüR SIE

INDIEN FüR SIE

Erreichbarkeit

Sie können zum Flughafen Bagdogra in der Stadt Siliguri in Darjeeling fliegen und von dort ein Taxi zum Jaldapara Na- tionalpark nehmen, welcher ungefähr 140 km vom Flughafen entfernt liegt und in drei Stunden Fahrt erreicht werden kann. Über die Schienenanbindung erreichen Sie das Reservat mit dem Zug zu den Bahnhöfen in Madarihat oder Hasimara, welche jeweils 7 bzw. 20 km von dem Reservat entfernt sind. Sie können auch zum Bahnhof Alipurduar in Jalpaiguri reisen, welcher 94 km vom Nationalpark entfernt ist. Wenn Sie sich bereits in Indien befinden, kann die Strecke mühelos per Schnellstraße in einem Taxi zurückgelegt werden.

Übernachtungsmöglichkeiten

Es gibt nur sehr wenige, aber dafür gute Möglichkeiten im Jaldapara Nationalpark zu übernachten. Die Hollong Tourist Lodge und die Jaldapara Tourist Lodge sind zwei der weni- gen Optionen, die Sie dort vorfinden werden.

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