Ahmedabad Architektonische Stätten entdecken

Stadtpause

October 30, 2015

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Indien fur sie

Marz-April 2015

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An den Ufern des Flusses Sabarmati im Westen Gujarats gelegen, blickt Ahmedabad auf eine lang gefeierte Geschichte zurück. Während die Stadt sich auf neue und ausgebesserte infrastrukturelle Feinheiten zubewegt, haben die klassischen und zeitgenössischen architektonischen Wunder ihren Charme nicht verloren.

Im 15. Jahrhundert begab es sich einmal, als der Sultan von Gujarat, Ahmed Shah, auf einem Jagdausflug war und sich zum Ausruhen an den Fluss Sabarmati setzte, dass er sah, wie ein Hase einen Hund jagte und davon fasziniert war. Scheich Ahmed Khattu, ein Sufi Heiliger, den er zutiefst verehrte, erklärte ihm, dass das eine einzigartige Eigenschaft des Landes war, die es einer zarten Kreatur wie einem Hasen möglich machte, einen Hund zu verjagen und dass es eine kluge Entscheidung wäre, hier die Hauptstadt zu bauen. Zusätzlich, so sagt man, prophezeite er, dass die Stadt von vier Ahmeds gegründet werden würde. Zu diesen vier treu dem Islam ergebenen Gläubigen gehörten der König Ahmed Shah und der Heilige selbst und die Stadt erhielt ihren Namen von dem König. Die Stadt wurde auf einer so starken Grundlage gebaut, dass sich die Wirtschaft natürlich entwickelte und durch die Jahrhunderte stetig anstieg.

Die frühere Hauptstadt Gujarats, die auch als Ghandis Wohnort und Heimat des derzeitigen Ministerpräsidenten Narendra Modi bekannt ist, weist auch eine lange Liste erfolgreicher Geschäftsleute, Textilindustrien, unzähligen Festivals und seiner Küche vor. Auf menschlicher Ebene stechen die Einwohner Ahmedabads mit ihrem ausgeprägten Sinn für Ästhetik hervor. Von eleganter Inneneinrichtung ihrer Häuser bis zu den edlen Khadis oder Baumwollkleidern bringen die Einwohner mühelos ihren Charme zur Geltung. Sehr bekannte Design-Schulen des Landes, wie das NID und CEPT orientieren sich oft an dieser künstlerischen Stätte.

Die architektonische Zusammensetzung des Stadtbildes

Wie andere Städte, die von muslimischen Königen regiert wurden, ist auch Ahmedabad eine Zusammenstellung von Moscheen und Grabstätten. Die indisch-sarazenische Architektur, die seit der Zeit Ahmed Shahs und seiner Nachfolger die hinduistische Handwerkskunst mit der persischen Architektur verschmolzen hat, zeichnet sich in diesen Gebäuden ab. Jamma Masjid, gebaut von Ahmed Shah im Jahr 1424, ist eine der ältesten Moscheen, die im Raum der Altstadt liegen. Es war die deutlich größte Moschee auf dem Kontinent zu der Zeit, als sie gebaut wurde. Die Gebetshalle besteht aus mehreren Kuppeln mit aufwändig gearbeitetem Mauerwerk, die von mehr als 250 Säulen getragen werden. Die Moschee sollte als privater Ort der Verehrung für die Sultane der Zeit dienen, daher auch die Ausmaße und die Verzierung. Die Sidi Saiyyed Moschee, die in der Nähe der Jamma Masjid liegt, ist eine weitere bedeutende Moschee, die 1573 vom letzten Sultan Ahmedabads gebaut wurde, der dann von dem König der Mughal, Akbar, besiegt wurde. Die in Stein gemeißelten Gitter, auch Jali genannt, bilden die Fenster der Moschee. Der Effekt dieser Jalis ist ein Symbol für Ahmedabad geworden und wird sogar von dem bekannten Führungsinstitut der Stadt, IIM, in ihrem Logo verwendet.

Ein exzellentes Beispiel der indischsaracenischen Architektur ist Sarkhej Roza, 7 km südwestlich von Ahmedabad gelegen, und zum Gedenken an den Sufi Heiligen Ahmed Khattu in der letzten Hälfte des 15. Jahrhunderts gebaut. Die Anlage wurde während der Regierung dreier Könige gebaut und hat zahlreiche Bauten, wie die Gräber eines Königs und der Königin, das Mausoleum des Heiligen und eine Moschee. Le Corbusier, ein bekannter schweizerisch-französischer Architekt des 20. Jahrhunderts, nannte es Ahmedabads Akropolis und verglich es mit der Akropolis in Athen. Doch die historischen Bauten allein bezeichnen nicht die Arbeit der bygonischen Könige. Kankaria, ein künstlich angelegter See wurde 1451 von Sultan Qutbuddin gebaut und ist der größte See in Ahmedabad. Der See ist heute umgeben von einer großen Parkanlage, zu der der Zoo, ein Karussell, eine Kinderstadt, Heißluftballonfahrten, Wasserkarussells, ein Wasserpark und Imbisse zählen.

Im 18. Jahrhundert, als die kommunalen Aufstände zu verschärften Sicherheitsmaßnahmen führten, wurden in den alten, engen Straßen Ahmedabads Barrikaden zum Schutz gebaut. Eine Reihe von miteinander verbundenen Häusern, die Leuten der gleichen Gemeinschaft oder Kaste angehörten, bildete zusammen mit allen notwendigen Einrichtungen, wie einem Brunnen innerhalb der Grenze, solch eine Barrikade. Die Benutzung von Mörtel und Holz beim Bau gaben ihr nicht nur eine starke Basis, sondern hielt dank der gut durchdachten Kombination von Materialien, auch Erdbeben stand. Aus diesem Grund, blieben die Barrikaden aus dem 18. und 19. Jahrhundert unversehrt während des Erdbebens, das Gujarat im Jahr 2001 traf. Die ausgezeichneten hölzernen Fassaden dieser Barrikaden zeugen von der Größe und der Wohlhabenheit der Bewohner.

Ahmedabad hat den Beginn der modernen Architektur in der Zeit nach der Unabhängigkeit miterlebt. Die Stadt hatte das Glück von Menschen bewohnt zu sein, die aktiv an dieser architektonischen Bewegung teilnahmen. Einflussreiche Gujarati Familien wie die Sarabhai spielten dabei bedeutende Rollen. Geschäftsmann und Visionär Ambalal Sarabhai, der die Sarabhai Unternehmensgruppe gründete, lud Corbusier ein, um die Sarabhai Villen (1951-55) und das Mill Owner’s Association Gebäude (1951) zu entwerfen. Er entwarf auch Sanska Kendra (1954), ein Museum für die Geschichte, Kunst, Kultur und Architektur von Ahmedabad. Der bekannte amerikanische Architekt Frank Lloyd Wright entwarf das Verwaltungsgebäude der Calico Mills und den Calico Dom (1962).

B. V. Doshi, ein für die Entwicklung und Evolution der Architektur Indiens als wichtig angesehener Mann, kam in die Stadt nachdem er Corbusier in Paris vier Jahre lang dabei unterstützte, die Projekte in Indien zu leiten. Er arbeitete auch mit Louis Kahn, einem einflussreichen amerikanischen Architekten, bekannt für seine akribische Arbeit am IIM Ahmedabad Projekt im Jahr 1961.

Corbusiers Verständnis der angemessenen Nutzung der Fläche und Planung und Kahns außergewöhnliches Talent mit Materialien, Strukturen und Licht zu spielen, spiegeln sich oft in Doshis Arbeiten wieder, so wie in der Centre for Environmental Planning and Technology (CEPT) Universität, die er 1972 gründete und auch in Sangath, seinem Arbeitsplatz in Ahmedabad. Eine von Doshis bemerkenswerten lokalen Arbeiten beinhaltet Amdavad ni Gufa (1995), eine unterirdische Kunstgallerie, die in Zusammenarbeit mit dem bekannten indischen Künstler M. F. Hussain und deshalb oft als Hussain-Doshi ni Gufa bezeichnet wird. Diese Kunstgallerie, die Hussains Arbeiten ausstellt, zeigt eine einzigartige Gegenüberstellung von Kunst und Architektur und unterscheidet sich durch die nicht-traditionelle Verwendung von Materialien und Techniken von anderen Gallerien.

 

Das Jama Masjid wurde von Ahmed Shah im 15. Jahrhundert erbaut

Das Jama Masjid wurde von Ahmed Shah im 15. Jahrhundert erbaut

 

Ein weiterer bedeutender indischer Architekt ist Charles Correa, bekannt für die Verwendung von traditionellen Baustoffen in seiner Arbeit, hat den Ghandi Ashram am Ufer des Sabarmati entworfen. Er wurde 1963 zusammen mit dem Museum gebaut und ist bekannt dafür, 12 Jahre lang der Wohnsitz Ghandis gewesen zu sein. Von hier aus hat Ghandi am 12. März 1930 den Dandi Marsch, auch als Salt Satyagraha bekannt, angeführt. Aus diesem Grund wird er von der indischen Regierung oftmals als Nationaldenkmal bezeichnet. Der Platz strahlt durch die Stille des Flusses und die leise Umgebung des Ashrams Gelassenheit und Ruhe aus. Christopher Charles Benninger, ein amerikanischer Architekt und Planer, der vermehrt in Indien gearbeitet hat, hat als erste Arbeit die Alliance Francaise (1981) in Ahmedabad gebaut. Er hat außerdem das Konzept der Baustelle und Service entwickelt, eine Methode der Unterbringung, die es armen Familien möglich machen soll, ihre eigenen Häuser zu bauen, so wie sie sie benötigen.

Das kürzlich fertig gestellte Sabarmati Flussuferprojekt war eine ambitionierte Initiative Modis während seiner Zeit als Ministerpräsident von Gujarat. Abgesehen von der Reinigung des Flusses, der zuvor als Müllhalde und Kläranlage diente, wurde auch für den Tourismus geworben. Es war ein beeindruckender Versuch, das Zusammenspiel des Flusses und der Menschen zu verbessern. Das 10,5km lange Uferstück des Sabarmati Flusses wurde teilweise in eine Gegend für Erholung und Freizeitaktivitäten umgewandelt. Es wurde ein Musterbeispiel für Initiativen bezüglich der städtischen Infrastruktur und der Wiederbelebung. Dennoch blieb es von Kritik nicht ganz verschont. Die Slum-Bewohner am Ufer des Sabarmati, die gezwungen waren umzusiedeln, trifft man nun in selbstgebauten Hütten in den Erholungsbereichen an. Experten haben es auch oft als „10,5km lange Fassade am Ufer in Ahmedabad“ bezeichnet und dass es weit von der Wiederherstellung des Flusses entfernt sei. Trotzdem ist es zum Hauptfokus der Stadt geworden, die durch den Fluss in Ost- und West-Ahmedabad geteilt wird.

Der Kulturpfad von Ahmedabad

Abgesehen vom Bau neuer Gebäude auf ihrem Land, ist den Menschen in Ahmedabad das Erbe der Stadt sehr am Herzen gelegen. Mit mehr als 36 ASI (Archaeological Survey of India) denkmalgeschützter Bauten, zählt Ahmedabad zu einer der drei indischen Städte, die es auf die vorläufige Liste der UNESCO Weltkulturerbe-Städte geschafft haben. Die Ahmedabad Municipal Corporation (AMC) entwarf in Zusammenarbeit mit der Foundation for Conservation and Research of Urban Traditional Architecture (CRUTA) im Jahre 2000 eine zweistündige Wanderung, auf der man durch die Gassen und Häuser einen Blick auf die Geschichte der alten lebenden Nachbarschaften erhaschen kann.

Die Wanderung beginnt morgens um 8 Uhr an dem fast 200 Jahre alten Swaminarayan Tempel und endet an der Jamma Masjid. Ein Höhepunkt der Wanderung sind die in sich geschlossenen Pols (Barrikaden). Im Wesentlichen ähneln Pols umzäunten Wohngemeinschaften, die den Leuten einer bestimmten Familie, Kaste, Berufsgruppe oder Religion gehören. Jede Pol hat einen eigenen Namen oder eine Identität, mehrere miteinander verbundene Häuser, ein gemeinsamer Vorplatz, ein öffentlich zugänglicher Brunnen, ein Tempel und eine Chabutra oder auch Vogelhaus. Um die Bekanntheit zu steigern, hat AMC Plakate außerhalb der Pols angebracht, auf denen ihre Namen zu lesen sind. Die berühmten Holzschnitzereien Ahmedabads, findet man an jedem der Häuser. Große überhängende Balkone sind eine weitere Besonderheit. Elemente der marathischen, mughalischen, britischen und persischen Architektur sind auch zu sehen. An einem bemerkenswerten Vorplatz in der Doshivada ni Pol stehen vier Häuser und jedes von ihnen steht für die vier verschiedenen architektonischen Stile. Oftmals hatten diese Pols Geheimgänge, die als Notausgänge genutzt werden konnten und sie wurden von den Gemeinschaften gebaut, um ihre Familien vor Angriffen oder Unruhen retten zu können. Von den fast 600 Pols in Ahmedabad sind manche schon 300 Jahre alt. Britisch gebaute Eisenstangen mit Richtungspfeilen, die die Richtung der Abwasserkanäle zeigen, sind eine weitere Eigenheit der Pols in Ahmedabad. Kavi Dalpatram Chowk, hat im 19. Jahrhundert den Gujarati Dichter in der Lambeshwar ni Pol beherbergt und dies ist auch die erste Anlaufstelle auf der Kulturwanderung.

Die Wanderung weckt auch das Interesse der Leute mit religiöser Neigung. Die Tempel der Pols sind zwar klein, doch haben sie alle ihren eigenen Anteil an Schätzen und Geheimnissen. Der fast 400 Jahre alte A Jain Tempel, in einer der Pols wurde im Untergrund gebaut, um ihn vor dem mughalischen König Aurangzeb zu bewahren, als dieser darauf aus war, die Tempel zu vernichten. Die 700 Jahre alten Marmorabbilder von Tirthankaras stehen in dem Tempel und sind mit reinen Diamanten und Rubinen verziert, und wurden von der heiligen Stätte Palitana in Saurashtra hergebracht. Der Kala Ram Tempel in der Haja Patelni Pol beherbergt ein einzigartiges, in dunklen Farben gehaltenes Abbild Gott Ramas in sitzender Position. Man sagt, dass das Abbild aus eigener Kraft wieder aufgetaucht ist, nachdem die Priester der Tempel es hunderte Jahre lang versteckt gehalten hatten, um es während der Mughal Phase zu beschützen.

Ein weiteres Highlight der Wanderung sind die Überreste des Calico Doms, der 1962 in der goldenen Textilphase Ahmedabads gebaut wurde. Das 12 Meter breite Gebäude wurde ursprünglich als Verwaltungsgebäude der Callico Mills genutzt. Unter der Führung Gautam Sarabhais aus dem Sarabhai Klan, wurde der geodätische Dom mit Orientierung an dem amerikanischen neofuturistischen Architekten Buckminster Fuller entworfen.

Vorbei an weiteren Überraschungen, wie zum Beispiel dem 95 Jahre alten Gebäude, in dem die erste Aktienbörse Ahmedabads ihren Sitz hatte oder der alten Druckerei, in der man sich noch die Werkzeuge ansehen kann und sich mit den Aufsehern austauschen kann, führt die Wanderung aus der Nachbarschaft hinaus nach Manek Chowk. Benannt nach einem Heiligen aus dem 15. Jahrhundert, verwandelt sich die Straße, die tagsüber ein belebter Marktplatz ist, auf dem Schmuck und andere Waren verkauft werden, abends nach Sonnenuntergang in eine Essensmeile und alles hat bis 1 Uhr morgens offen. Die Wanderung endet schließlich am Jamma Masjid, der die Verschmelzung von hinduistischer, jainischer und islamischer Architektur demonstriert.

Ahmedabad ist eine der wenigen Städte, die trotz der rasanten Entwicklung, das Erbe der alten Stadt bewahrt hat und die in den modernen Zeiten mit Feingefühl weiter zusammengewachsen ist. Mit den Vorteilen, die mit denen einer Großstadt vergleichbar sind und den doch ruhigen Nachbarschaften, wirkt die Stadt oft, als würden die Inder es vorziehen, sich hier niederzulassen.


Anreise

Anreise

Anreise

Luft: Der Sardar Vallabhbhai Patel Flughafen in Ahmedabad bietet sowohl nationale als auch international Flüge an.
Bahn: Der Bahnhof in Ahmedabad ist auch bekannt als Kalupur Bahnhof und es gibt viele Verbindungen zu fast allen großen Städten Indiens.
Straße: Ahmedabad hat gute Anbindungen an Landstraßen, die es mit allen wichtigen Orten in Gujarat und anderen Staaten verbinden. Inländische Buslinien verschiedener Staaten Indiens bieten ihren Service von und nach Ahmedabad an.

Unterkunft

Die Stadt bietet eine Vielzahl von günstigen und mittelständischen Bed and Breakfasts und Hotels an, die oft in den alten Teilen der Stadt, wie Kalupur, zu finden sind. Doch auch Luxushotels wie das Hyatt oder das Marriott findet man in Ahmedabad.

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