Jaisalmer Das Tor nach Thar

Destination

October 30, 2015

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Indien fur sie

Marz-April 2015

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Inmitten der Dürre der Thar Wüste, sorgt Jaisalmer für viele Reisende mit Hang zum Abenteuer für eine Überraschung. Die Wüste ist zwar die Hauptattraktion, doch ein Besuch der Kulturstätten in Jaisalmer lohnt sich ebenso.

Sonar Qila, oder auch die goldene Festung von Jaisalmer, fand Anklang in der langen Liste von Gedichten des Nobelpreisträgers Rabindranath Tagore. Die Festung hat auch den bengalischen Filmemacher Satyajit Ray zu einer Story inspiriert, die er dann in einem Spielfilm umgesetzt hat. Auch viele andere Künstler wurden von der Festung Jaisalmers verzaubert und berührt, wie sie beim Sonnenaufgang vor dem Hintergrund der Wüste erstrahlt.

Am Rande der Thar Wüste im nordwestlichen Staat Rajasthan gelegen, hat Jaisalmer eine sehr rau-urtümliche indische Atmosphäre. Sie vereint die Einsamkeit der Wüste, den Glanz der Festung, die Kunst der gelben Sandstein-Havelis (Villen) und die Herzlichkeit der Einheimischen. Während die Endlosigkeit der Wüste das Gefühl der Einsamkeit weckt, sorgen die Bewohner Rajasthans ihrer Gastfreundschaft dafür, dass man sich zu Hause fühlt.

Die angenehme Fahrt

Der Weg nach Jaisalmer sorgt für eine interessante Autofahrt. Rajasthan erkundet man am besten auf seinen gut ausgebauten Landstraßen, die die Städte miteinander verbinden. Da ein Großteil des Einkommens des Staates dem Tourismus zu verdanken ist, bemüht sich die Regierung Rajasthans darum, den Touristen alle Annehmlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Dazu zählen öffentliche Toiletten und Imbissmöglichkeiten; sehr zur Freude der Touristen. Entlang des Weges finden sich zahlreiche Dhabas die die Reise weniger ermüdend und für die hungrigen Reisenden erfüllender machen. Beide Seiten der verlassenen Straße sind von Sand und Gebüsch gesäumt und etwa 30km vor Jaisalmer, weisen die ersten Schilder auf die indisch-pakistanische Grenze hin. Hin und wieder wird die Aufmerksamkeit auf Frauen in einsamen Unterständen gelenkt. Sie sind in traditionelle leuchtende Kleider gehüllt, tragen silbernen Schmuck, weiße Armreifen schmücken ihre Arme und mit ihrem gekonnten, schüchternen Lächeln wirken sie wie aus einer Incredible !ndia-Werbung entsprungen.

Der Sand wird weißer und das Gebüsch wird ersetzt durch dornige Pflanzen mit dicken Stämmen je tiefer man in die Wüste vordringt. Der Anblick von Windmühlen, die auf dem weißen Sand aufgereiht sind, häuft sich. Während die Entwicklung von erneuerbaren Energien dem Staat geholfen hat, die Elektrizitätsprobleme zu überwinden, hat die Tourismusindustrie Bedenken, da die Windparks viel Land auf einigen der schönsten Sanddünen in Anspruch nehmen und so den Touristenverkehr beeinflussen könnten. Die großen Windmühlen verleihen der Landschaft jedoch verträumte Atmosphäre. Wenn man sich Jaisalmer nähert, tauchen immer mehr Hotels am Straßenrand auf. Manche, wie das Taj Getaway bei Rawalkot wurden in für Rajput typischem architektonischem Stil entworfen. Mit Blick auf die Jaisalmer Festung bietet das Hotel eine gute Kombination von mittelalterlichem Charme und modernen Einrichtungen.

Die Wüstenlager

Im Stadtzentrum möchte man vielleicht die aggressiven Reiseveranstalter meiden, die mit Übernachtungsvorschlägen auf die Touristen zugehen. Obwohl es zig denkmalgeschützte, kleine Hotels gibt, bieten Wüstenlager den Touristen die Erfahrung zwischen den Sanddünen zu übernachten. Die Lager stellen inmitten des weißen Sandes Zelte zur Verfügung. Je nach Ankunftszeit werden auch Kamelsafaris bei Sonnenauf- oder untergang angeboten und es gibt einen Kulturabend mit Volksliedern und -tänzen aus Rajasthan sowie Wüstenessen.

Sobald die Vorstellungen am Abend beginnen, bei denen Tänzer und Musiker in der Mitte der im Kreis sitzenden Audienz sitzt, taucht man in das reiche Kulturerbe Rajasthans ein. Es ist eine Mischung aus Chari und Kalbeliya-Tänzen und Musik mit traditionellen Instrumenten wie der Sarangi (ein drei-saitiges indisches Instrument). Der Kalbeliya-Tanz der Gemeinde der Schlangenbeschwörer stellt das reiche künstlerische Format und die kreative Vorstellungskraft der Tänzer zur Schau, während Chari die Kunst des Wasserschöpfens in einer Chari oder einem Krug der Rajasthani-Frauen in ihrem alltäglichen Leben darstellt. Oftmals balancieren die Frauen während der Chari-Vorstellungen 8-10 Krüge mit einer erleuchteten Kerze darauf während sie ihre Tanzbewegungen fortsetzen.

Die traditionelle Rajasthani-Musik ist bekannt für ihre rauen und erdigen Töne und den leichten Gesang. Zu der traditionellen Musik gehören Panihari-Lieder die lyrisch die Aufgaben der Frauen, die sich mit Wasser und Brunnen beschäftigen, beschreiben. Beides sind wesentliche Bestandteile der Wüstenkultur Rajasthans. Epische Balladen erzählen die Geschichten einheimischer Helden, wie Devnarayan Bhagwan und Pabuji. Vorstellungen wie diese sorgen für Stimmung am kalten Wüstenabend, der bis lange nach dem Abendessen ums Lagerfeuer andauert.

Die Vormittage in der Wüste lohnen sich. Ein holperiger Kamelritt vertreibt den Schlaf mit Gewissheit, ebenso wie der wunderschöne Anblick der Sanddünen, die sich im orangen Sonnenlicht des Tagesanbruchs sonnen. Die Fußspuren, die die Kamele im Sand hinterlassen, verführen dazu, selbst barfuß im Sand laufen zu wollen. Während sich dieser Anblick tatsächlich lohnt, verbringt man schnell Stunden damit, im Sand zu spielen und zu versuchen, die Hügel hinaufzuklettern. Zahlreiche Sandhügel warten darauf, von den Reisenden, die die zeitweilige Ruhe und Einsamkeit genießen, erobert zu werden.

Sie ist zwar nicht so groß wie die Sahara oder die Kalahari Wüste in Afrika, doch die Thar ist die am dichtesten bevölkerte Wüste der Welt, mit zehnmal mehr Viehbestand als Menschen. Sie bildet die natürliche Grenze zwischen Indien und Pakistan und breitet sich über große Teile Rajasthans bis über die Grenze nach in die Sindh und Punjab Regionen Pakistans aus. Auf der indischen Seite ist Jaisalmer die größte Stadt in der Wüste. Etwa 30km entfernt sind die Sam Sanddünen eine Haupttouristenattraktion. Die Gruppe der Sanddünen ist etwa 2km lang und die entlegenste und schönste in der Region. Viele Lager umgeben diese Dünen und bieten den Besuchern die besten Wüstenerlebnisse.

Eine pulsierende Stadt

Im Gegensatz zur Wüste, strahlt Jaisalmer mit Leben und Farben. Männer in leuchtenden Turbanen und Frauen in traditionellen Kleidern stechen aus den cremigen Sandsteingebäuden im Hintergrund hervor. 1156 n. Chr. vom Rajput König Maharawal Jaisal Singh gegründet, bedeutet Jaisalmer „die Bergfestung von Jaisal“. Als sechster in der Erfolgsreihe des Bhati Clans der Chandravanshi Rajputs, die behaupteten Abkömmlinge des Gottes Krishna zu sein, erhob Jaisal Singh Steuern auf die Kamelkarawanen, die über die nahegelegene Straße reisten und sorgte so für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die strategische Lage half der Stadt auf natürliche Weise voranzukommen, da sie an den zwei Hauptadern lag, die Indien mit Persien, Ägypten und dem ferneren Westen verbanden. Beladen mit exotischen Gewürzen und kostbarer Seide, mussten diese Karawanen, die auf dem Weg nach Orten wie Delhi oder Sindh waren, durch Jaisalmer hindurch. Die Stadt ist auch heute noch größtenteils von Bhati Rajputs bewohnt, die dafür bekannt sind, in früheren Zeiten Krieger gewesen zu sein. Zurzeit ist die Stadt ein Hauptaußenposten des Militärs der indisch-pakistanischen Grenze, ausgewählt durch die zahlreichen Militärkonvois auf den Landstraßen auf dem Weg nach Jaisalmer.

Die Stadt begrüßt ihre Reisenden durch die Goldene Festung, würdigt die Havelis der reichen Geschäftsmänner der Vergangenheit, seine Seen und interessanten Einkaufsmöglichkeiten. Um hindurch zu gelangen, musste man vier riesige Tore durchqueren, die von Schmuck-, Teppichund Instrumenten- und Allerleiverkäufern gesäumt wurden. Auf einem Hügel gelegen, die Thar Wüste überblickend und dank des gelben Sandsteins gut getarnt, gilt die Jaisalmer Festung seit 2013 als UNESCO Weltkulturerbe. Die 80m hohe Festung ist umgeben von drei Schichten von Wänden; sie beherbergt fünf miteinander verbundene Paläste, Havelis und Jain Tempel; und ist eng umgeben von den Häusern der einheimischen Bewohner, die hauptsächlich vom Tourismus leben. Die Gassen mit ihren engen und verwinkelten Biegungen wurden entworfen, um die Festung unbesiegbar zu machen. Sehr gut erhalten, ist das fünfstöckige Gebäude, umrahmt von Jharokhas (überhängende Balkone) und Jalis (Gitter), die die sorgfältige Handarbeit des Rajput Stils zur Schau stellen. Dennoch ist es extrem zerbrechlich und uneingeschränkter Tourismus könnte dem Gebäude schaden. Aufgrund dessen hat die Regierung Einschränkungen bezüglich des Gebrauchs von Fahrzeugen in der Nähe der Festung veranlasst.

Es ist zwar ein großes Vergnügen die königliche Behausung der Vergangenheit zu erkunden, doch die alten Havelis locken die Touristen auch an. Die Geschichte von Patwa Haveli beispielsweise, fasziniert die Touristen. Es heißt, dass im 18. Jahrhundert, als die Patwa Familie Schwierigkeiten hatte, ihr Geschäft aufzubauen, die Priester ihnen vorschlugen Jaisalmer zu verlassen, da sie in dieser Stadt niemals erfolgreich sein würden. Daraufhin wurde die Familie sehr erfolgreich und ihre Geschäfte befassten sich nun auch mit Geld und Finanzen, Silber, Brokat und Opium Handel. Die Familie kehrte mit wachsendem Erfolg in ihre Heimat zurück.

Das damalige Oberhaupt der Familie, Ghuman Chand Patwa, entschied sich, jedem seiner fünf Söhne eine eigene kunstvoll ausgeklügelte Villa bauen zu lassen, entgegen des Rats der Priester. So entstanden die fünf grandiosen Havelis gegenüber der Jaisalmer Festung. Obwohl die Zeiträume des Baus der fünf Havelis voneinander abweichen, sind sie doch auffallend symmetrisch zueinander. Die Havelis zeugen von der schönsten Architektur Jaisalmers. Jeder Quadratzentimeter der Havelis wurde sorgfältig ausgearbeitet. Die vergitterten Jalis (eingekerbten) Friese sorgten für frische Luft in den Innenräumen und gaben den Frauen Privatsphäre, wenn sie hinausschauen wollten, ohne sich selbst erkennen zu geben. Die Havelis, so wie viele andere in Jaisalmer, sind aus gelbem Sandstein gebaut, mit verschiedenen Verzierungen an jedem Fenster und jedem Bogen. Unglücklicherweise kam der Wohlstand der Familie zu einem Ende und sie verloren alles, was sie besaßen. Daraus folgte, dass sie ihre Heimat erneut verlassen mussten und die Havelis in die Obhut der Leute geben mussten, die sie übernahmen und für ihren wirtschaftlichen Erfolg nutzten.

Wie auch andere Städte in Rajasthan, kann Jaisalmer sehr viele prunkvolle Havelis und kulturreiche Gebäude vorweisen. Im Süden der Stadt liegt, zur großen Erleichterung der Einheimischen, der Gadsisar See aus dem 14. Jahrhundert. Umgeben von zahlreichen Schreinen und Tempeln ist der See eine der Hauptquellen für die Wasserversorgung der Bewohner. Der See bietet auch ein zu Hause für eine breite Vielfalt an Vögeln, die in Wintermonaten einen Ort zum Überwintern suchen.

Trotz allem sind es die Bewohner Jaisalmers, die der Stadt ihre Gastfreundlichkeit verleihen. Inmitten des unwirtlichen Wüstenlebens, ist es erfrischend, die lebendige und fröhliche Art der Menschen kennenzulernen.


Anreise

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Anreise

Luft: Es gibt Direktflüge zwischen Delhi, Jaipur und Jaisalmer. Der Flughafen in Jodhpur ist 285km entfernt, hat jedoch mehr Verbindungen.
Bahn: Es gibt eine Vielzahl an Zügen von Jodhpur aus. Die Fahrzeit liegt bei etwa 6 Stunden. Es gibt direkte Verbindungen nach Delhi und Bikaner. Der Stadtbahnhof befindet sich 2km östlich der Stadt.
Straße: Straßen und private Busse bieten Verbindungen nach Jodhpur, Bikaner, Barmer und Jaipur. Auch Ahmedabad und Bhuj in Gujarat sind zu erreichen.

Unterkünfte

Jaisalmer hat eine Vielzahl an alten und luxuriösen zu günstigen Preisen zu bieten. Die Wüstenlager sind etwas weiter von der Stadt gelegen. Es ist jedoch Vorsicht geboten in Bezug auf die Reiseveranstalterbetrüger in der Stadt.

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