Eine Passage zur

Flora und Fauna in Indien

Dossier

March 1, 2016

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Indien fur sie

März 2016



 

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Schon seit einigen Jahren ist der weite Kontinent Afrikas als Syno- nym für eine große Artenvielfalt, für exotische Lokale, Safaris, Spaß und vieles mehr bekannt, was Touristen aus aller Welt wahrlich fasziniert.

Ungefähr 6.000 Kilometer östlich von Af- rika liegt Indien, dessen Wildnis ebenso verzau- bert. Vögel und Raubtiere, natürliche Tunnel- bauer und Buddler, Raubvögel und Kakerlaken, Jäger und Gejagte haben Indien bezaubert. Kein Wunder, dass westliche Chronisten Indien bis vor Kurzem noch als Land der Schlangenbe- schwörer beschrieben haben.

Indiens Einzigartigkeit liegt in seiner Vielseitigkeit: die Fülle und Variationen, die es im Wildnis-Tourismus anbietet, kann nur von wenigen anderen Ländern erreicht werden. Verteilt über die gesamte Länge und Breite des Landes gibt es über 515 Naturschutzgebi- ete und 99 Nationalparks (siehe Box). Deren Schönheit liegt nicht nur in ihrer geographis- chen Bandbreite, sondern auch darin, dass sie untereinander gänzlich verschieden sind. Ergän- zt man dazu noch die Westghats, den östlichen Teil des Himalayas und die Indo-Burma Region, drei der weltweit 43 Biodiversitäts-Hotspots, dann hat man ein Reiseziel, das ein unvergleich- liches Erlebnis sein wird.

Was ist so besonders?

Indiens klimatische, boden- und höhenbed- ingte Vegetation hat es in eine sichere Wohn- stätte für ökologische Habitats verwandelt. Für über 45.000 Spezien an Flora und 65,000 Spezien an Fauna bietet Indien eine Heimat. In- diens Tier- und Pflanzenwelt weist über 50.000 Insektenspezien, 4.000 Insekten von Mollusken, 6.500 andere Formen von Wirbeltieren, 2.546 Fischarten, 197 Arten von Amphibien, 408 verschiedene Reptilienarten, 1224 Vogelarten und 350 Säugetierspezien.

Als Heimat für ein Sechstel der Menschheit hat der Wachstum in der Landwirtschaft, die Urbanisierung und der Ausbau der Infrastruktur schon lange das Weltinteresse auf sich gezogen. Forschern und Wildtierlieb- habern jedoch bietet Indien die Möglichkeit, einen flüchtigen Blick auf die großen Fünf zu erhaschen: Tiger, Elefant, Nashorn, Löwe und Leopard. Indien ist auch Heimat für drei Rinderspezien, acht Spezien von Rehen und einige verschiedene Spezien von Hirschen.

Durch seine weite Fläche ist es schwierig, Indien in einer einzigen Reise zu erkunden. Tatsächlich ist Indien eine Nation, die alles bietet, was Afrika auf kontinentaler Größe besitzt. Die Ursache für diese Ähnlichkeit liegt darin, dass beide Gebiete ursprünglich ökologische Brüder waren, die während der Trias vom Superkontinent Gondwana getrennt wurden.

Nordindien, welches die schneebedeckten Himalayas beherbergt, ist Heimat für den Schneeleoparden, den Moschusochsen, den Steinbock, den Kaschmirhirsch von Dachigam, den wilden Yak, den tibetanischen wilden Esel, die Gorale – die Kleinsten der Ziegenarti- gen, Binturong, auch Marderbär genannt, und Fasane. Die großen Überschwemmungsgebiete der heiligen Flüsse wie Ganges und Brahma- putra – an den Ausläufern des Himalayas, wo Siedlungen florierten und die Zivilisation vor mehr als 6 Millennia begann – bieten Flussdelf- inen, Schildkröten, Krokodilen, Schuppentieren, Indischen Languren, Elefanten und Tigern eine Heimat.

Im Westen Indiens liegen die Wüste Thar und Staaten wie Gujarat und Rajasthan, die mehreren Tieren ein Zuhause bieten, den asiatischen Löwen, die Hirschziegenantilope und die Hindutrappe. Großzügige Regenfälle haben Teile Westindiens – angrenzend an Myanmar, Bangladesh und Bhutan – in im- mergrüne Regenwälder und moorige Sümpfe verwandelt, die Leben in Myriaden an Formen beherbergen. Königstiger, Elefanten, einhörnige Nashörner, Gibbons und Motten haben diese Region zu ihrer Heimat gemacht.

Mit einer Länge von über 1.600 km und in den Staaten von Gujarat, Maharashtra, Goa, Karnataka, Kerala und Kap Komorin in Tamil Nadu gelegen, bilden die Westghats ein weiteres geographisches Wunder, welches die kritisch vom Aussterben bedrohte Malabar-Zi- betkatze, den bedrohten Bartaffen, den Nilgiri- Tahr, den Tiger und den indischen Elefanten beherbergt, ebenso wie den gefährdeten indis- chen Leoparden, den Nilgiri-Langur und den Gaur. Neben mehreren Vögeln, Insekten und Mollusken, die diese Region bewohnen, sind auch der gefährdete Nasikabatrachus sahyad- rensis (engl.: Purple frog), der 2003 entdeckt wurde, und der Rhacophorus malabaricus, ein Flugfrosch, in den Westghats heimisch.

Die Existenz einer derart artenreichen Fau- na bedeutet, dass Wildnis-Tourismus nicht ein kürzlich entstandenes Phänomen in Indien ist. Tatsächlich geht dies viele Jahre zurück. Das am meisten geehrte Epos in Indien – das heilige, in Sanskrit verfasste Ramayana – beginnt damit, dass der weise Autor Valmiki einen Jäger dafür verflucht, dass er das Männchen eines sich paarenden Brachvogelpaares tötete. Ironisch, aber wahr: für das Königtum im antiken und mittelalterlichen Indien war das Jagen der liebste Zeitvertreib – neben Wein und Frauen. Diese Tradition ging zu den Kolonialherren und indischen Prinzen über, die mit ihren erjagten Trophäen und auch Waffen prahlten.

Der Zuwachs an Indiens Wildnis- Tourismus

Eine aufsteigende Mittelklasse und der Zufluss an ausländischem Tourismus und Ein- nahmen führten zum Ersatz der Waffen durch Digitalkameras. Ökotourismus bildete sich als das neue Phänomen in Indien heraus und es gibt auch einen guten Grund dafür.

Der neue Zuwachs im Wildnis-Tourismus kann direkt der ökonomischen Liberalisierung in Indien, die in den 1990ern mit der Eröffnung neuer ökonomischer Möglichkeiten begann, zugeschrieben werden. „Indien ist ein schnell wachsendes Schwellenland und Inlandstour- ismus nimmt aufgrund der ökonomischen Liberalisierung zu, die den Boden für eine neue Mittelklasse mit einem größeren verfügbaren Einkommen bereitete,“ wie D. Bharadwaj in seinem Buch Inlandstourismus (engl. Domestic Tourism in feststellt.

 

Von links nach rechts: Elefantensafaris und Rhinozerosse im Kaziranga Nationalpark in Assam; Der König des Dschungels erfreut Naturtouristen im Bandhavgarh Nationalpark in Madhya Pradesh

Von links nach rechts: Elefantensafaris und Rhinozerosse im Kaziranga Nationalpark in Assam; Der König des Dschungels erfreut Naturtouristen im Bandhavgarh Nationalpark in Madhya Pradesh

Die ökonomischen Reformen führten dazu, dass ausländische Firmen Fabrikraum aufbauten und Indien immer mehr Aufmerk- samkeit erfuhr. Mit dem wachsenden Zustrom an Geschäftsreisenden, die oft auch ein wenig Tourismus bei ihren Besuchen betreiben, be- gannen Indiens Naturschutzgebiete, Besucher aus Übersee zu bekommen. Dies war eine deutliche Abkehr von früheren Zeiten, als an die typische Reiseroute eines Firmenchefs bloß das Taj Mahal als Reiseziel angefügt werden konnte.

Zufluss ausländischer Touristen

2014 kam Krithi K. Karanth gemeinsam mit anderen Wildnis-Experten, die das Interesse an und die Bekanntheit der drei bedeutenden indischen Nationalparks – Nagarahole, Kanha and Ranthambore – untersuchten, zu der Erk- enntnis, dass die große Mehrheit der Touristen, an die 70%, indische Staatsangehörige sind. „Unsere Umfrage zu den indischen Besuchern zeigen auf, dass viele zum ersten Mal den Park besuchten (ungefähr 71%) und mit Bachelor- und Masterabschlüssen auch gut gebildet sind (ungefähr 82%),“ gaben sie in ihrem Bericht an.

Von den drei großen Tieren bleibt der Tiger der beliebteste für jeden Touristen, egal ob indisch oder ausländisch. Wilderei hat die Tiger in der Vergangenheit in große Gefahr gebracht, aber die letzten paar Jahre liefen besser und die steigende Zahl an Tigern im Land ist die Hauptattraktion für den zunehmenden Wild- nis-Tourismus. Indiens Großkatzenpopulation stieg von 1704 im Jahr 2010 auf 2226 im Jahr 2014 an, die verstreut über die verschiedenen Tigerreservoirs leben.

Laut dem indischen Tourismusministerium lockte 2014 an die 7,98 Millionen ausländis- che Touristen an, im Jahr zuvor waren es 6,8 Millionen. Im Zeitraum vom Januar bis August 2015 kamen 5,98 Millionen Touristen aus den USA, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Deutschland, Kanada, Australien und dem benachbarten Bangladesch und Sri Lanka nach Indien. Die Zahl an Inlandstouristen ist dabei fast 200-mal größer als die der Ankünfte ausländischer Touristen. 2014 lag die Zahl der Inlandstouristen bei 1,282 Millionen verglichen mit den 1,145 Millionen in 2013.

„Ausländische Touristen wissen noch nicht um die erstaunlichen Tourismusmöglichkeiten, die Indiens lebhafte Tier- und Pflanzenwelt zu bieten hat. Während Angebote wie das Trekking auf den Hängen des Himalayas mehrheitlich von ausländischen Touristen in Anspruch genommen werden, wird der Wildnis-Tourismus noch überwiegend von Inlandstouristen dominiert,“ sagt Manish Maj- gaonkar, Direktor der Geographic Destination Tours, eine Reiseagentur mit Sitzen in Delhi und in der Schweiz.

Budget oder Luxus?

Als preissensitiver Markt bietet Indien Budget Hotels, Safaris und Eco-Lodges mit einer Bandbreite, die nach Maß an jeden Wildnisliebhaber und dessen Budget und Geschmack angepasst werden kann.

Da die meisten Nationalparks und Natur- schutzgebiete zwischen Oktober und Juli für gewöhnlich offen bleiben, sollten neugierige Besucher sich bei der Planung über das Internet über Parks, Safaris und Eco-Lodges informieren. Während der Ferienzeit gibt es einen großen Ansturm, bei dem viele Reisende Ferienorte mit Aufschlägen buchen.

Die Gebühren für ein Einzelzimmer für eine Nacht starten bei 35€ und enden bei über 400€, abhängig vom gebotenen Luxus. Auch Safaris bieten mehrere Optionen. Fahrten mit einem offenen Bus, in dem 15 bis 18 Personen Platz finden, kosten um die 6 bis 9€ pro Kopf, ein Jeep für sechs Personen dagegen 40€ pro Trip. Ausländische Touristen sollten auch bereit sein, etwas mehr als 70€ pro Kopf aufzu- bringen. Eine Safari in der Wildnis auf einem Elefantenrücken, das beste von allem, kommt mit einem Preis von 40€ für zwei Stunden.

Mensch gegen Wildnis

N. Liji, ein Wildnisliebhaber, der kürzlich auf einem Trip zum Jim Corbett Nationalpark in Ramnagar war, hat ein paar Warnhinweise für Touristen. Das Mantra ist, dass man nicht enttäuscht sein soll, wenn man keinen Tiger entdecken kann. „Die Safari ist interessant, wenn man nicht einfach mit dem Ziel kommt, alle fünf Tiger, die zurzeit im Park sind, zu entdecken … das sind eine Mutter mit ihren vier nun ausgewachsenen Jungen. Man muss wirklich Glück haben, um einen Tiger zu sehen. Einige Leute haben auch nach 12 Besuchen noch keinen entdecken können. Aber einige Glückliche sehen sie bei ihrem ersten Besuch!“ erklärt Liji.

Neben den üblichen Reisenden bedrängen auch Flitterwochenreisende, Werbefilmmacher und sogar Filmdreher die Standorte in der Nachbarschaft von Naturparks und Natur- schutzgebieten. Einige der beliebten nationalen Naturschutzgebiete sind der Jim Corbett National Park in Uttarakhand, Ranthambore in Rajasthan, Bandhavgarh in Madhya Pradesh, Bandipur in Karnataka und der Sundarbans- Nationalpark in Westbengalen.

Die Nachfrage nach Wildnis-Reisen stieg mehrfach in den letzten paar Jahren. Den immensen Bedarf spürend, schossen mehrere Cateringfirmen wie Unkraut aus dem Boden, um sich auf den Andrang auszurichten – ein Ereignis, das die Kehrseite des Wildnis-Touris- mus preisgibt. Der starke Zufluss von Touristen und Hotels, um dem Bedarf nachzukommen, kam mit größeren Spannungen zwischen der Ökologie und der menschlichen Bevölkerung. Auch wenn die meisten Touristen verstehen, dass die Gebiete der Wildnis nicht gestört werden sollten, hilft es nicht wirklich, wenn 200 Fahrzeuge den ganzen Tag lang Runden im Park drehen.

Außerdem gibt es nur wenige Resorts, die Reiseführer mit in das Wildnis-Paket einbrin- gen. Die Fahrer sollen hiermit nicht außer Acht gelassen werden – immerhin sind sie erfahrene und sachkundige Einheimische, aber dennoch spielen Reiseführer eine wichtige Rolle dabei, den Touristen Verhaltensregeln und Feingefühl gegenüber den Tieren und deren Lebensraum zu vermitteln. Es wurde deutlich, dass mit dem Andrang zum Wildnis-Tourismus auch Tour- isten kommen, die nicht um der Liebe zu den Tieren willen da sind. Firmen sind selten dazu bereit, ihnen grundlegende Verhaltensregeln beizubringen.

Ein zweiseitiges Schwert?

Die verbesserte Infrastruktur führte auch dazu, dass man auf unerforschte Gebiete aufmerksam wurde und diese möglicherweise auch ausgebeutet wurden. Der Bandhavgarh Nationalpark in Madhya Pradesh beispielsweise ist nun dank der besseren Infrastruktur ein Teil der Touristenroute, behauptet Shibani Ahuja Kapoor, CEO von Wander Globe, die einen Film über den Park gedreht hat.

„Er wurde zum Anziehungspunkt für jeden Touristen. Neue Gebäude aus Beton mit Klimaanlage und Luxus zerstören diese fragilen Ökosysteme in Ladakh, Kashmir oder den Westghats und anderswo. Wir können es uns nicht leisten, diese zu zerstören,“ meint Kapoor und schlägt erhöhte Kosten von 250 USD (225€) pro Tag für ausländische Touristen vor, analog zu einem ähnlichen Zug von Bhutan.

Nachhaltiger Ökotourismus

Während in den Touristikrouten grober Handelsgeist herrscht, gibt es auch zahlreiche Beispiele von jenen, die umweltfreundliche Hütten und Safaris mit Reiseführern betreiben, sie preisen und auch zur Verfügung stellen.

Es wäre ratsam, von der Bombay Natural History Society bereitgestellte Wildnis-Safaris auszuprobieren. Gegründet im Jahre 1823 ist es eine indienweite Organisation zur Er- forschung der Tier- und Pflanzenwelt in Indien, die Reisen durch das Land und rund um die Welt durchführt und als Experten in den Bereichen der Tier-, Vogel- und Meereswelt angesehen werden.

Zu den vielen Erfolgsgeschichten des Umweltschutzes in Indien gehört auch die des Rishi Valley Education Centre im Rayalseema Distrikt in Andhra Pradesh. Gegründet von Jid- du Krishnamurthy, einem indischen Philosphen des 20. Jahrhunderts, ist dies eine Region, in der der Wald regeneriert wurde und allerhand an Flora und Fauna einen Lebensraum bietet.

Bis zum März 1993 wurden 170 Vo- gelarten– was ungefähr 40% der im Staat verzeichneten Vogelarten entspricht – in Rishi Valley entdeckt, darunter auch der seltene einheimische Goldkehlbülbül (Pycnonotus xantholaemus). Die Rückkehr dieses von BirdLife International als gefährdet gemeldeten Vogels, war vermutlich die Spektakulärste. Die Entdeckung dieses Vogels half dem Tal, in die Karte der Biodiversität aufgenommen zu werden.

Ein anderes Beispiel von authentischem Ökotourismus ist das von Dholes’ Den im Bandipur Nationalpark in Karnataka, der über keine modernen Einrichtungen verfügt. Das heißt, dass es in den Zimmern keine Klimaan- lage, keinen Fernseher, kein Telefon, keine Tee- oder Kaffeemaschine oder Kühlschränke gibt. Zunächst wird der meiste Strom über eine Windturbine und Solaranlagen generiert. Karthik Davey, CEO des Dholes’ Den, weist einen einschlägigen Punkt auf: „Das Ziel des Ökotourismus ist es, zu zeigen, wie klein der CO2-Ausstoß von uns und anderen sein kann.“ Hierfür haben Karthik und sein Team dafür gesorgt, dass die Küchenabfälle hier in Biogas umgewandelt werden; Schmutzwasser wird in Pflanzenkläranlagen behandelt und für den Gemüsegarten genutzt, der die Küche mit eigens angebauten Produkten versorgt. Außerdem speichern sie Regenwasser in 90% des bebauten Resorts und sie haben sogar ein Staubecken, um Regenwasser während des Monsuns aufzufangen. Dies, behaupten sie, versorgt den Boden mit Süßwasser und sie verwenden es, um ihren Bohrbrunnen aufzuladen.

Selbstzerstörung

Ungezügelte Wilderei und Tötung von vom Aussterben bedrohten Tierarten ist eine bedauerliche, aber wahre Realität für Indiens reiche Tierwelt.

Ungefähr 216 Leoparden, 100 Elefanten, 40 Tiger, 43 Nashörner und zahllose Vögel und Reptilien sind in den letzten zwei Jahren von Wilderern getötet worden. Trotz der steigenden Zahl an Gerichtsverfahren bleibt die Tatsache, dass nur wenige Leute aufgrund von Wilderei verurteilt worden sind. Und das trotz der bereits sehr umfas- senden Gesetze in Indien. So macht der Wildlife Protection Act das Jagen von darin aufgelisteten Tieren zur Straftat und ahndet Vergehen innerhalb geschützter Gebiete wie Nationalparks und Naturschutzgebi- eten. Strafen beinhalten rechtsverbindliche Gefängnisaufenthalte und Geldstrafen in Höhe von bis zu 5 Millionen Rs. (70.000 €).

Diese Gesetze verbleiben jedoch ohne Vollstreckung auf dem Papier. Indiens Wald- verwaltungen sind überlastet und es fehlen ihnen die Ressourcen. Es gibt Probleme, sowohl bei der Aufdeckung von Verbrechen als auch bei der Strafverfolgung der Täter. Indiens erster National Workshop on Ca- pacity Building for Combating Wildlife Crime Anfang dieses Jahres bezeichnete Wilderei und illegalen Handel mit freilebenden Arten als große Gefahren für Indiens Tierwelt. Ti- ger, Elefanten, Nashörner und viele weniger bekannten Spezies wie Warane, Schuppen- tiere, Wasser- und Landschildkrötenspezies, Sittiche, Bronzemännchen und andere Vogelarten werden gewildert und über die Landesgrenzen auf internationale Märkte geschmuggelt.

Ein Gleichgewicht finden

Mit dem Aufkommen Indiens als der Motor des Wachstums der Weltwirtschaft ist es auch notwendig, die Kosten zu prüfen, die Indien bereit ist, für diese Entwicklung zu zahlen. Während die Infrastruktur viel im Leben der Inder zählt, ist der Schutz von Indiens Flora und Fauna und fragilem Ökosystem für die Nachwelt genauso wichtig und braucht möglicherweise sogar mehr Unterstützung. Der erste Schritt, den Indien in dieser Hinsicht machen muss, ist zu definieren, wie es am besten an und mit der Tier- und Pflanzenwelt forschen, erziehen und unterhalten will. Wenn Indien dies nicht tut, sitzt es bereits auf einem ökologischen Armageddon – einem, von dem es sich even- tuell nicht mehr erholen könnte.

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